Kapitel 12: Wenn du mich verlässt, kann ich dann mitkommen?


Ich habe genug davon gehabt

Mit anderen Geliebten in vergangenen Tagen

Es war nicht viel, ich weiß

Mmm gerade genug, genug um mich zum Weinen zu bringen

 

Wenn du mich verlässt, kann ich dann mitkommen?

Wir können für immer bleiben

Aber, wenn du mich verlässt, kann ich dann mitkommen?

Und wenn du gehst, kann ich dann mitgehen?

–Mental as Anything – If You Leave Me Can I Come Too–

 


 

Es ist 3 Uhr morgens. Mein Körper ist um seinen geschlungen und er ist so warm und muskulös. Ich möchte hier bleiben, an ihn gekuschelt, aber ich habe Bedürfnisse.

Vorsichtig löse ich mich von seiner Wärme, stehe auf und ziehe ein Kleid über den Kopf. Wenn Ana aus ihrem Zimmer kommen sollte, muss sie sich kein Trauma holen, indem sie ihre Mitbewohnerin nackt sieht.

Nach meinem Stopp im Badezimmer gehe ich in die Küche um mir ein Glas Wasser zu holen. Meine Neugierde gewinnt die Oberhand und ich gehe zu Anas Schlafzimmer um nachzusehen, ob sie zu Hause ist. Mist, die ungezogene Kleine ist nicht heimgekommen. Ich haste in die Küche zurück, mache das Licht an und gehe auf die Suche nach meinem Telefon. Ich finde es auf dem Tisch, schnappe es mir und checke es eilig nach Nachrichten, bevor ich bemerke, dass dies nicht mein Telefon ist, es ist Elliots. Himmel, selbst bei technischen Geräten haben wir den gleichen Geschmack. Ich frage mich, ob er einen MAC oder PC benutzt oder ob er, ebenso wie ich, an der Hüfte mit einem iPad verwachsen ist.

Als der Bildschirm an geht, zeigt es automatisch die Liste der erhaltenen Anrufe. Die Nummer des letzten Anrufers, der Elliot angerufen hat, kenne ist… gut. Was zum Teufel? Was zur Hölle hast du vor, Daddy? Ich blicke auf und sehe einen verschlafenen Elliot in den Raum kommen, nur in Boxershorts. Er ist diese berauschende Kombination aus kraftstrotzenden Oberschenkeln und zerzausten Haaren. Er reibt sich die Augen und sieht mich an.

“Du warst nicht im Bett. Ich habe dich vermisst.” gähnt er. “Komm zurück ins Bett, Baby.”

So leicht kommst du mir nicht davon, du… du… Sexgott. “Elliot, warum hat mein Vater dich angerufen?” Sofortiger Weckruf.

“Es war nichts, ehrlich. Ich erinnere mich nicht einmal wirklich daran, worüber wir gesprochen haben.” Ja und ich bin die Zuckerfee. Wenn es nach Scheiße aussieht und nach Scheiße riecht…

“Ich schlage vor, du findest diese Erinnerung wieder, mein Lieber, mein Vater ruft keine zufälligen One-Night-Stands an, um das Wohlergehen seiner Tochter zu überprüfen.” Wenn ich mich nicht täusche, sind seine Ohren im Begriff Dampf auszustoßen.

“Vielleicht sollte er das. Und seit wann ist das hier zu einem zufälligen One-Night Stand geworden?”

“Seit du angefangen hast mich anzulügen. Woher weiß er überhaupt von dir?” Ich werfe die Anschuldigung in den Raum wie einen Fehdehandschuh und warte darauf, dass er ihn aufnimmt oder geht. Wenn er kein Verhör will, kann er jetzt genauso gut nach Seattle verschwinden.

“Baby, ich weiß es nicht. Er wollte nach dir sehen, seinem kleinen Mädchen, denke ich? Nur ein guter Vater sein.” Deine Lippen bewegen sich, Grey, aber da ist nur Schwachsinn im Äther.

“Du verheimlichst mir etwas Grey, spuck es aus.” Ich stehe da, mit meinen Händen in die Hüften gestemmt und warte geduldig. Darin bin ich gut, mit Blicken eine Antwort zu erzwingen. Du wirst es mir erzählen und du wirst mitteilsam sein. Kurzzeitig scheint die Situation festgefahren zu sein, bis er zur Lehne des Sofas geht und seinen kessen Hintern darauf setzt.

“OK. Er scheint zu glauben, dass Christian und ich zu einem Problem für dich werden könnten. Ich weiß nicht, was er glaubt zu wissen, aber er ist vermutlich ziemlich weit von der Wahrheit entfernt. Ich vermute, er stochert nur herum, um zu sehen, ob ich deiner würdig bin.” Er streckt seine Hände nach mir aus und beginnt mich zu sich zu ziehen, aber ich weiche zurück. Er sieht ernsthaft verwirrt aus.

“Hat er dir gedroht?” Willst du das wirklich wissen, Kate? Willst du, dass er schreiend davonläuft? Trotzdem, der Gedanke daran lässt mich innerlich ein wenig schmunzeln. Ich kann schon die Schlagzeile sehen

Blonder griechischer Gott zuletzt gesehen, als er hysterisch den Mount St. Helens besteigt!

“Nein. Er ist ein absoluter Amateur im Vergleich zu dir, wenn es um Drohungen geht.” lächelt er mich an.

“Was meinst du? Ich würde dir niemals drohen.”

“Baby, du hast gedroht wertvolle Körperteile mit einem Küchengerät zu entfernen und sie meinem Bruder zu schicken, wenn ich mich richtig erinnern kann.” Er schmunzelt.

Mist, wie viel hatte ich getrunken? Ich erinnere mich vage an die Drohung. Oh ich bin eine widerliche Betrunkene. Plötzlich bin ich in seinen Armen und er hält mich sehr liebevoll und streicht über meine Haare.

“Katie, du hast deine Freundin beschützt. Eine bewundernswerte Eigenschaft. Dein Vater versucht nur dich zu beschützen. Auch eine bewundernswerte Eigenschaft. Wenn ich zwischen euch beiden mit intakter ‘Familienplanung’ heraus kommen kann, werde ich ein glücklicher Mann sein.” Wie kann er Witze reißen, wenn mein Vater so etwas getan hat? Eine fürchterliche Vision vom ersten Treffen meines Vaters mit ihm schießt mir durch den Kopf. Oh, mir wird schlecht.

Ich löse mich aus seiner Umarmung. “Ich muss mein Telefon finden. Ana ist nicht nach Hause gekommen.”

Er verspannt sich für einen Moment. “Ich bin sicher, dass es ihnen gut geht. Sie sind beide erwachsen.” Aber sein Gesichtsausdruck sagt nicht ‘gut’. Sein Gesicht sagt alles andere als ‘gut’.

Telefon! Ich gehe hinaus und finde meine Handtasche im Eingang hängend. Ich gehe zurück ins Wohnzimmer und krame darin nach meinem Telefon. In einer dieser unglaublich geschmeidigen Bewegungen gelingt es mir den größten Teil meines Tascheninhalts auf dem Couchtisch zu verteilen. Ich fische mein Telefon aus dem Chaos heraus und scrolle durch die Nachrichten. Es ist keine von Ana dabei, also schicke ich ihr ein schnelles ‘Bist du OK?’. Als ich aufschaue sehe ich Elliot mit einem Stück Papier in der Hand, stinksauer.

“Wann wolltest du mir davon erzählen?” fragt er ruhig, mit meiner Reiseplanung für Barbados in seinen Händen. Mist! So wie sich alles in den letzten 24 Stunden seit seinem Auftauchen in meiner Welt verändert hat, habe ich das völlig vergessen.

“Elliot, es tut mir leid. Ich habe das total vergessen. Meine Mutter hat das vor Monaten gebucht.” flüstere ich.

“Verdammt Kate. Wir habe das hier gerade erst begonnen und du willst jetzt eine Pause machen? Für wie lange? Zwei Wochen? Scheiße.” Er sieht wirklich verletzt aus. Wir sind beide still und verarbeiten wie irrational das ist sich so verlassen zu fühlen nach so kurzer Zeit. Schließlich spricht er erneut, “Tut mir leid Baby, ich wollte dich nur ein bisschen länger für mich alleine haben. Wäre ich ein kompletter Arsch, wenn ich sagen würde, ich will nicht, dass du fährst?”

“Du bist ein kompletter Arsch ohne überhaupt etwas zu sagen. Ich habe mich seit Monaten auf diese Reise gefreut und jetzt will ich auch nicht fahren.” Ich gehe zu ihm und er lässt das Papier auf den Couchtisch fallen und hüllt mich in eine warme ‘Elliot ist die Sonne’ Umarmung. Als ich zu ihm aufsehe, sehe ich die Enttäuschung, die in sein Gesicht geschrieben steht. Er schließt die Augen und küsst mich zärtlich, bevor er sich zurücklehnt und mich ansieht.

“Es tut mir leid. Ich bin ein Trottel. Du verdienst einen Urlaub und wir können beide warten. Obwohl ich dich vermissen werde.” Seine Augen blicken direkt in meine und ich bin in seinem wunderschönen blauen Blick gefangen. Wie konnte das passieren? Wie kann es sein, dass ich nicht mehr als ein paar Stunden ohne ihn sein will? Dieser Urlaub fühlt sich plötzlich wie eine Gefängnisstrafe an.

“Kann ich dich in meinen Koffer packen? Dich in meinem Bett verstecken?”

“Mmm… kann ich vorgeben eines deiner skandalösen Höschen zu sein?” Wenigstens können wir beide noch lachen, obwohl wir uns beschissen fühlen.

“Komm mit mir.” Die Worte sind draußen, bevor ich darüber nachdenken kann. Mist, wie erbärmlich bin ich denn? Ich kenne ihn wie lange? Zehn Minuten? Und ich lade ihn zu einem Familienurlaub ein. Meine Eltern werden ausflippen! Er wird ausflippen! Beschämung und Verlegenheit durchströmen mich und ich habe Angst die Augen wieder aufzumachen. Als ich es tue, sieht er mich mit einem großen, breiten ‘Ich habe gerade das Weihnachtsgeschenk bekommen, was ich haben wollte’ Grinsen an. Ich habe fast Angst zu fragen. “Du willst mit mir kommen?”

Er hält mich auf Armlänge, damit er mich ansehen kann, sein Gesichtsausdruck ist ernst und ich kann beinahe sehen, wie sich die Räder in seinem Kopf drehen.

“Baby, ich kann verstehen, wenn du dein Angebot zurückziehen möchtest, aber hör mir nur einen Moment zu. Dein Vater macht sich bereits Sorgen über uns. Ich würde es begrüßen, wenn ich die Gelegenheit bekäme ihm zu zeigen, dass es mir mit dir absolut ernst ist. Ich will deine Familie kennenlernen und das lieber früher als später. Und dann sind da noch du und ich. Ich meine… Scheiße Baby, ich bin mir sicher, dass du das hier genauso intensiv empfindest wie ich. Ich möchte nur… oh verdammt, ich habe das Gefühl, dass wir Zeit brauchen um herauszufinden, was zwischen uns passiert und es wäre so gut, es weit weg vom Rest der Welt zu tun, verstehst du? Wenn wir hier bleiben, wird es nicht lange dauern, bis die Paparazzi Wind von der Sache mit Christian und Ana bekommen und wir werden da mit hineingezogen. Plus, ich denke, wenn wir ihnen etwas Raum geben, vielleicht…”

Es war eine lange und sehr aufrichtige Rede. Ich lasse mich auf einem Esszimmerstuhl sinken, als Elliot mich loslässt. Er setzt sich mir gegenüber und nimmt meine Hand, legt sie über seine. Er will meine Familie kennenlernen, er will uns ergründen und er will Christian und Ana etwas Raum geben. Dieser wunderschöne Sexgott, mit dem weniger herausragenden Ruf als männliche Hure, macht mich plötzlich zum Zentrum seines Universums und ich werde ihn lassen. Scheiße! Ich werde ihn lassen!

Dies sollte nicht passieren. Wir sollten uns nicht so stark und so schnell verlieben. Wir sind beide intelligent, attraktiv, haben gute Beziehungen und sind erfahrene Leute, die Schwindel erkennen, wenn er uns in den Hintern zwickt. Wir haben beide den Ruf Spieler zu sein, also warum die Angst? Er ist nur mein glänzendes neues Spielzeug, richtig? Wir werden beide innerhalb von zwei Wochen einander überdrüssig sein, also vermute ich, dass es keine große Rolle spielt, ob wir dann in Urlaub sind oder hier. Was werden meine Eltern sagen? Sie werden es hassen. Und was, wenn es nicht funktioniert? Werde ich aus meinen großartigen Ferien am Boden zerstört zurückkehren? Was für eine tolle Art eine neue Lebensphase zu beginnen! Umhüllt von pinkem Flanell und geschmolzener Schokolade.

Die Alternative wäre jeden Tag meines sonnigen Urlaubs damit zu verbringen mir zu wünschen er wäre dort. Die Telefonrechnungen in astronomische Höhen zu treiben, durch unsere unzähligen Gespräche und in selbstverschuldeter Einsamkeit und Sehnsucht zu versinken. Das ist auch keine Art die Ferien zu verbringen. Dann sehe ich es glasklar vor den Augen.

“Ich muss den Urlaub absagen. Ich muss für Ana hierbleiben. Sie wird mich brauchen.” Ich bin plötzlich fest entschlossen.

“WAS? NEIN! Baby, Christian und Ana brauchen Bewegungsfreiheit und Zeit ohne Einmischung.” Er hört sich ein wenig verzweifelt an. Was verbirgst du Grey?

“Es ist mir im Augenblick scheißegal was Christian braucht. Ana braucht mich.” fauche ich zurück.

“Katie, sei vernünftig. Ana ist erwachsen. Sie wird das schon hinkriegen und du wirst nur zwei Wochen weg sein. Was ist das schlimmste, was passieren kann? Es funktioniert nicht und sie wird für eine Woche oder so alleine sein.” Er ist ziemlich überzeugend. Vielleicht reagiere ich wirklich übertrieben. Ana mag unerfahren sein, aber sie ist eine intelligente Person. Nie im Leben lässt sie sich von Christian Grey zu irgendetwas verleiten, während ich weg bin. Sie wird darauf bestehen es langsam angehen zu lassen und sich selbst beschützen. Okay Klugscheißer. Wenn sie es langsam angehen lässt, warum ist sie dann nicht nach Hause gekommen? Ana ist deine Freundin, nicht dein Sorge. Sie wird dir nicht dafür danken, wenn du dich einmischst. Los! – Ferien – Sonne, Surfen, Strand, griechischer Gott – was kannst du mehr verlangen?

“Okay.” flüstere ich.

“Okay?” fragt er, hält meine Hände und sieht in meine Augen.

“Mm..mm” nicke ich und sehe ihn direkt an. Er zieht mich auf seinen Schoß und gibt mir einen sehr ausgiebigen Kuss, mit seinen Händen in meinen Haaren.

“Mein Gott, ich dachte, du würdest nein sagen. Du hast mich an den Rand der Verzweiflung gebracht.”

“Tja, du weißt was man sagt, ‘wenn du nicht am Rand stehst, nimmst du zu viel Raum ein’.Aber, wenn du mich begleitest, dann wirst du richtig mit mir zusammen sein. Kein Schwachsinn von wegen, züchtigen Abstand halten und meinen Eltern vorgaukeln wir würden nicht miteinander schlafen. Wenn wir das tun, wird es ein hundertprozentiger Kate-und-Elliot-Urlaub oder du kannst gleich zu Hause bleiben.” Ich versuche sehr entschieden zu wirken. Für einen Moment sieht er mich nur schockiert an und dann grinst er.

“Baby, ich würde es nicht anders haben wollen.” Oh Scheiße, wenn mein Vater ihn nicht an seinen Eiern aufhängt, wird es mein Bruder tun.

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