Kapitel 8: Ein Rezept zum Liebemachen


Es braucht keinen Zucker, weil es bereits süß ist

Es braucht keinen Ofen, weil es schon eine Menge Hitze bekommen hat

Füge nur einen Schuss Küsse hinzu, um es komplett zu machen

Und das ist das Rezept zum Liebemachen

– Recipe for Love – Harry Connik Jr. –

Ist es möglich, dass das Licht meine Netzhaut durch meine geschlossenen Augenlider verbrennen kann? Ich strecke mich und das ist mein erster Fehler, ich presse meine Hand gegen die Stirn in dem Versuch den verrückten Schlagzeuger zu stoppen, der mit meinem Frontallappen Bongos spielt. Um ehrlich zu sein, fühlt sich mein Kopf deutlich besser an, als er sollte. Was zum Teufel ist letzte Nacht passiert? Da waren Margaritas und Tanzen und Ana mit diesem unheimlichen Stalker Christian… SCHEISSE! Ich setze mich auf und das ist mein zweite Fehler, der Raum kippt und meinen Magen dreht sich um. Ich lasse mich mit einem Stöhnen zurückfallen und versuche alles mit meinen Händen zusammenzuhalten. Schließlich fühle ich mich stabil genug um mich umzudrehen und nachzusehen, ob er noch da ist.

Enttäuschung durchströmt mich, als ich das leere Bett und seine verschwundene Kleidung bemerke. Mist! Haben wir…? Nein. Zuerst hat er dieses Neandertaler-Ding abgezogen und dann dieses netter-Kerl-Ding und dann hat er… Ich stöhne. Wie konnte ich die Kontrolle über diese spezielle Situation verlieren? Kerle stolpern normalerweise über sich selbst, um mit mir ins Bett zu gehen und gelegentlich lasse ich sie. Naja, nein, technisch gesehen waren da nur einige wenige echte Liebhaber und eine Reihe von heißen und heftigen Beinahe-Liebhabern, die es zwar nicht geschafft haben, die aber alle wollten. Nicht so Neandertaler Grey. Er war zu verdammt gut für mich. Aber dieser Mann ist ein Playboy – wie konnte er meinen Reizen widerstehen? Und er tat es, während er seine unsterbliche Liebe für mich erklärte. Oder nicht? Dann erkenne ich, wie komplett zerschlagen ich letzte Nacht war. Gott, kein Wunder, dass er mich so… widerstehlich fand. Du meine Güte, Kavanagh, du kannst froh sein, dass er Gentleman genug war, um sicher zu stellen, dass du es in dein eigenes Bett schaffst und dich nicht alleine an deinem Erbrochenen auf dem Wohnzimmerfußboden hat ersticken lassen. Also erwarte nicht, dass das gute Grey-Schiff in absehbarer Zeit in deinem Hafen festmacht.

Erneut stöhnend, drehe ich mich um und sehe die Tabletten und das Wasser, die er an meinem Bett zurückgelassen hat. Oh, Sankt Elliot, süßer Schutzheiliger der Verkaterten. Als ich das Wasser in mich hinein kippe, wie ein sterbender Mann in der Oase, fühle ich, wie ein Teil meiner selbstverschuldeten Schmerzen nachlassen. In der nächsten Minute höre ich, wie sich die Eingangstüre öffnet. Mist Ana.

Ich bin auf und aus dem Bett so schnell wie der Blitz und das wäre dann mein dritter Fehler. Oh Scheiße… alles dreht sich. Aufhören! Aus dem Zimmer stolpernd, versuche ich nicht gegen den Türrahmen zu fallen und erscheine im Wohnzimmer mit der Grazie eines neugeborenen Nilpferds. Ich bin entschlossen jedes schmutzige Detail über Anas Abend zu erfahren und bin so auf mein Ziel fokussiert, dass ich beinahe enttäuscht bin, als ich Elliot Grey vorfinde, wie er sich selbst hereinlässt. Ich bleibe stehen, lehne mich an die Wand und beobachte ihn, versuche durchzuatmen und dieses fürchterliche Drehen zu stoppen. Nach ein paar tiefen Atemzügen schließt mein Gehirn endlich zu dem auf, was ich sehe. Er ist hier… bei mir. Vielleicht…

“Hey, Baby. Du siehst Scheiße aus. Ich habe Kaffee geholt. Ich wusste nicht, wie du ihn magst, deshalb habe ich Espresso und Cappuccino mitgebracht. Welchen willst du?” Ich sehe Scheiße aus? Nett! Der Mann hat den Charme von Perez ‘Klatschmaul’ Hilton. Jedoch sein Lächeln… sein Lächeln ist ansteckend. Ich nehme meine Arme runter, schüttele meinen Kopf und drücke mich von der Wand ab, einen unwillkürliche Sog zu ihm spürend. Er kommt mir auf halbem Wege entgegen, stellt den Kaffee-Halter auf den Tisch, legt seine Arme um mich und überrascht mich mit einem Kuss auf den Mund. “Das war ein Scherz. Du siehst fantastisch aus heute Morgen.”

Was zum…? Kein Makeup, zerzauste Haare, pinker Flanell-Pyjama, ein Mund wie der Boden eines Vogelkäfigs und die Mutter aller Kater. Gibt es den Typen wirklich? Himmel, ich kann mich selber nicht ab…

“Mit Schmeicheleien erreicht man alles.” Ich versuche zu lächeln, vermute aber, dass ich so aussehe, als hätte ich Schmerzen… Was ich habe. Bevor er etwas sagen kann, wende ich mich zum Tisch und nehme mir den Espresso, gehe damit in die Küche, tue zwei Stück Zucker hinein, kehre dann zur Couch zurück und lasse mich fallen. “Ich fühle mich beschissen, aber danke fürs Lügen.”

“Oh Schatz, würde ich dich je belügen?” Ich ziehe eine höhnische Augenbraue hoch, was mir nur eine beginnende Migräne einbringt. Als ich meine Stirn reibe, lacht er, nimmt seinen Kaffee und kommt zu mir herüber. “Trinkst du deinen Kaffee normalerweise so?”

“Oh ja, süß, stark und schwarz. Wie meine…” sage ich mit einem Grinsen. Er blickt mich von der Seite an.

“Zwei von drei ist nicht so schlecht?” Jetzt grinst er dieses ausgewachsene Elliot Grey Surferboy Grinsen, was mein Verlangen nach ihm derart steigert, das ich mich in meinem Sitz winde. Ohne seinen Gesichtsausdruck zu ändern, streckt er seine Hand aus, greift nach meinem Kinn und beugt sich herunter, um mich zu küssen. Oh, wie ekelig… Ich weiß, mein Mund muss nach purem Abwasser schmecken, aber ich kann ihm nicht widerstehen. Unsere Zungen streichen aneinander vorbei und gerade als ich anfange zu genießen, wie sich die Sache aufheizt, zieht er sich zurück. “Trink’ deinen Kaffee, Frau, bevor jemand verletzt wird.”

Dieses schnuckelige Grinsen liegt weiter auf seinem Gesicht, als er in seinen Kaffee starrt. Dann vibriert sein Handy in seiner Tasche, er lehnt sich zurück und steckt sein langes, muskulöses, in Jeans gekleidetes Bein, um es ohne aufzustehen herauszuholen. Gott, er ist so groß und so überaus… männlich! Er schaut auf das Display und drückt er ein paar Tasten. “Ana geht es gut, sie ist mit Christian im Heathman. Er wollte, dass du das weißt.” Christian Grey wollte, dass ich es weiß! Tja, ich würde sagen, ‘Da-bin ich-platt’.

“Und was hast du zurückgetextet?” Ich trinke einen Schluck Espresso, der anfängt seine einzigartige Wirkung zu entfalten.

“Dass ich hier bei dir bin und es mir auch gut geht.” Ich lache. Gerade so, Grey, und ich würde das nicht zu laut sagen. Wenn du mich weiterhin so ansiehst, bist du nicht mehr lange sicher. “Ich habe ihn gefragt, ob er flachgelegt wurde.” Ein Mund voll Kaffee spritzt durch den Raum. Erstklassig, Kavanagh.

“Mist! Was hat er gesagt?” Will ich das wirklich wissen? Wir reden hier über die jungfräuliche Ana, das Mädchen, das in den vier Jahren, die ich es kenne keinen Freund hatte. Nee, keinen Freund und keinen One-Night-Stand. Dann betritt Christian, der Stalker ihre Welt und plötzlich gibt sie ihre Jungfräulichkeit auf? Ich denke nicht. Sollte der Bastard sie letzte Nacht ausgenutzt haben, werde ich ihn an den Eiern aufhängen.

“Er publiziert sein Liebesleben nicht.” Elliot legt sein Telefon auf den Tisch und trinkt einen weiteren Schluck von seinem Kaffee, bevor er mich ansieht. “Erzähl’ mir von Ana.” Toll! Die vermeintlich unschuldige Frage ist der Beginn eines Verhörs und mein Herz wird schwer vor Enttäuschung. Ich kenne diese Taktik gut. Ich hatte irgendwie gehofft, er wäre meinetwegen hier, aber jetzt ist absolut klar, dass er Christian beschützt.

Beginn’ mit der Wahrheit. “Sie ist ein wundervoller Mensch und sie hat es verdient wahre Liebe zu finden. Sie ist unglaublich loyal, diskret, witzig, intelligent. Sie ist unheimlich bescheiden. Sie hat keine Ahnung, wie attraktiv sie wirklich ist und wie viele Männer sie haben wollen.” Nimm das du Spion. Ana ist die Verkörperung von Perfektion und sie verdient weit besseres, als deinen perversen Bruder.

“Ist sie lesbisch?” Ich hätte mich beinahe schon wieder an meinem Kaffee verschluckt. Ist das nicht die gleiche Frage, die ich Ana habe Christian stellen lassen? Mist, das ist die Rache. Jetzt weiß ich, dass Christian Elliot gezielt in meinem Apartment platziert hat, um Informationen über Ana zu bekommen. Ich beiße mir auf die Zähne. “Nein, ist sie nicht. Sie hat einfach nur noch nicht den richtigen gefunden.” Nach dem ersten Jahr unserer Freundschaft, habe ich mich selber gefragt, ob sie lesbisch ist. Um ehrlich zu sein, ich hätte die Seiten gewechselt, wenn sie gefragt hätte, so heiß ist sie. Dann war da immer José, der kleine Latino-Weiberheld. Der hing an ihren Lippen, aber Ana hat ihn keines Blickes gewürdigt. Nach einem weiteren Jahr habe ich mich gefragt, ob sie asexuell ist. Seit Christian Grey in ihrem Orbit aufgetaucht ist, muss ich diese Annahme revidieren.

“Ich ziehe Christian immer damit auf schwul zu sein. Ich weiß, dass er es nicht ist, aber er ist so leicht zu provozieren.” durchbricht Elliot meine Gedanken. “Und wie sieht es bei dir mit Typen aus. Ist da jemand besonderes, um den ich mich kümmern muss? Die Typen aus der Bar zum Beispiel? Dieser Dwayne?”

Okay, das hatte ich nicht erwartet. Der Kerl ist gut. Einen Moment lang denke ich daran einen Schwergewichtsboxer meinen Verlobten zu nennen, aber als ich ihn ansehe, scheint er etwas nervös wegen meiner Antwort zu sein. Jetzt bin ich verwirrt. Will er mich oder will er nur über Ana Bescheid wissen? Aus irgendeinem Grund will ich das jetzt nicht weiter vertiefen. Ich beschließe ihm die Wahrheit zu sagen. Ich mag mich Männern an den Hals werfen, aber ich schlafe nicht mit jedem. Leider ist es nicht das, was sie ihren Freunden erzählen. “Ich bin das, was man als ewige Aufreißerin bezeichnet. Männer wollen mich, ich weiß es und ich spiele mit ihnen. Sie kommen in der Regel nicht weit, also nein, da ist niemand besonderes… im Augenblick.”

Ich füge diese letzte Bemerkung in einem leisen Flüsterton hinzu, um eine Reaktion zu bekommen. Klassische emotionale Manipulation und es funktioniert. Er stellt seine Tasse ab, dreht sich zu mir, nimmt mir meine aus der Hand und stellt sie auf den Couchtisch.

“Du lässt mich darum kämpfen Katie, stimmt’s? Wie ich letzte Nacht gesagt habe, du brauchst nur zu sagen, was du willst, wenn du einen klaren Kopf hast, es ist ganz einfach. Ich werde mit ganzem Herzen dabei sein.” Himmel, hat er das wirklich gerade gesagt? Er sieht mich so ernsthaft an, Himmel hilf mir, ich möchte ihm so sehr glauben. Ich muss wegsehen bevor die lauernde Träne sich in einen Wolkenbruch verwandelt. Jetzt fühle ich mich wegen der ’emotionalen Manipulation’ schuldig, aber verflixt, er ist Elliot Grey. Er sollte diesen Mist kennen, auf hundert verschiedene Arten! Beziehungen funktionieren nicht so. Ein Teil von mir, der mit den Schuldgefühlen, wünschte er würde aufhören.

Elliot steht auf, sammelt die leeren Kaffeebecher ein und geht in die Küche. Ich kann ihn nicht ansehen, aber ich höre ihn im Kühlschrank kramen. Scheiße! Ich könnte mein beschissenes Benehmen von vorhin wieder gut machen, wenn ich ihm etwas zu essen machen würde, aber im Moment habe ich keine Ahnung, was ich ihm zum Frühstück anbieten könnte. Ein Kerl wie er muss eine Menge zu essen brauchen. Ich stehe auf und gehe mit meinem aufgewühlten Magen Richtung Küche, wenigstens spielt mein Kopf mit. Er summt vor sich hin und holt Eier, Speck, Brot, Tomaten, eine Avocado und Champignons aus dem Kühlschrank und stellt alles auf die Arbeitsplatte. Mist, ich wusste nicht einmal, dass wir diese Sachen haben und hoffe Ana explodiert nicht, wenn sie herausfindet, dass ich ihre Vorräte für die Woche vernichtet habe. Er findet schnell heraus, wo die Pfanne ist, was mehr ist, als ich weiß. Tatsächlich ist das meine größte Angst. Ich und Kochen – nicht so gut. Ich hole tief Luft, schließe meine Augen und platze ganz uncharakteristisch mit dem nächsten Satz heraus.

“Umm… wir könnten einfach Frühstücken gehen. Geht auf mich.” Bitte sag ja. Ich drehe vorsichtig meinen Kopf zur Seite und spinkse durch ein Auge, hoffentlich. Er schenkt mir ein nachsichtiges Lächeln. “Warum sollten wir das tun, wenn dein Kühlschrank so gut bestückt ist? Außer du hast vor damit ein üppiges Abendessen für einen anderen Typen zuzubereiten.” Er legt den Kopf schief und sieht mich fragend an. Mist, Ich weiß es nicht. Ich kaufe Fertiggerichte oder gehe essen. Dies ist Anas Domäne.

“Äh nein. Es ist nur…” Kopfschüttelnd sehe ich auf meine Füße. Fühlst du dich dumm und unzulänglich hier. Ich weiß nicht, warum meine Küchenfähigkeiten so radikal unterentwickelt sind. Ana hat versucht mir das Kochen beizubringen, aber ich bin ein hoffnungsloser Fall. Vielleicht fehlt mir das ‘Mutter’-Gen. Meine Mutter würde mich mit Stecknadeln spicken, wenn sie mich sagen hören würde, dass Kochen Frauensache ist und der Gedanke beleidigt mein eigenes feministisches Feingefühl, aber ich habe einfach nicht diese fürsorgliche ‘Sorge für deine Liebsten mit den Geschenken von Mutter Natur’ Persönlichkeit. Wenn Ana nicht wäre, würden wir verhungern oder jeden Abend auswärts essen. Ana würde das niemals erlauben, weil es auf meine Rechnung wäre, deshalb ist es ein Glück, dass sie eine so gute Köchin ist. Jetzt, mit Elliot hier, bin ich mir meiner Defizite umso mehr bewusst und mehr als ein bisschen verlegen, dass ich diese einfache Sache nicht für ihn tun kann. Schlimmer noch, er scheint meinen Gesichtsausdruck zu lesen.

“Hey, Katie.” Er hört auf mit dem Messer zu hantieren und kommt zu mir. “Ich möchte dir Frühstück machen. Tatsächlich bin ich ein ganz guter Koch und da ich in der Liebes-Abteilung keine Punkte zu machen scheine, ist dies meine Hoffnung dich zu beeindrucken.” Herrje, er benutzt immer noch das L-Wort, als würde er es meinen. Er holt sein Handy aus der Tasche. “Hier… ruf meinen Bruder an und frag ihn ob ich kochen kann.” Irgendwie schafft er es dreist und erwartungsvoll liebenswert aussehen zu lassen.

Ich sehe vom Telefon zurück zu ihm und breche in Gelächter aus. “Das ist besser… jetzt komm her.”

Er zieht mich vor sich und stellt mich zwischen seinen Körper und die Arbeitsplatte. Er drückt mir das Messer in die Hand und legt seine Hand über meine als wir die Tomaten schneiden. Seit wann ist Gemüseschneiden so sexy? Seine Bewegungen sind langsam, vorsichtig und beunruhigend sinnlich. Meine Hand fest im Griff, führt er mich zu den frischen Kräutern, die auf der Fensterbank wachsen. Ich wusste nicht einmal, dass wir einen Kräutergarten haben. Ich dachte es wären einfach nur Zimmerpflanzen und jetzt bin ich leicht besorgt, dass Ana heimlich Hasch anbaut. Elliot scheint zu wissen, was er tut. Er pflückt ein paar Blätter ab und hält sie mir unter die Nase.

“Riech’ mal! Hmm… Basilikum, Oregano… du hast einen tollen Garten hier, Miss Kavanagh. Frisch und wunderschön, wie du.” Jetzt werde ich rot. Ich werde nie rot. Ich bin kurz davor mich weg zu bewegen, als sich sein Arm um meine Taille legt und mich fest an seinen Körper drückt. Dann streicht er mir mit den Kräutern übers Gesicht, folgt der Spur mit seiner Zunge, als würde er schmecken, wo die aromatischen Blätter gewesen sind. Oh mein Gott. Ich lehne meinen Kopf zurück, um ihm einen besseren Zugang zu meinem Hals zu ermöglichen. Das Lecken seiner Zunge wird zu feuchten Küssen entlang meines Schlüsselbeins und seine Hand zieht den Stoff meines Pyjamaoberteils von meiner Schulter, sodass er noch mehr von mir schmecken kann. Mein gesamter Körper reagiert auf seine Berührungen; ich spüre Feuer in meinem Bauch, Feuchtigkeit sammelt sich in meinem Schritt und mein Atem geht heftig und unregelmäßig.

Gerade, als ich denke, er wird mich jetzt ausziehen und auf dem Küchenboden nehmen, bewegt er sich von mir weg, verlässt die Küche und geht in Richtung Wohnzimmer. Sobald ich das Zittern meines Körpers unter Kontrolle gebracht habe, überfällt er meine Sinne mit Musik. Das tiefe Pulsieren von Ravels ‘Bolero’ durchströmt mich in Wellen und ich frage mich für einen Moment, ob ein Musikstück einen spontanen Orgasmus auslösen kann. Schlendernd… nein, stolzierend kommt er zurück in die Küche, nimmt wieder seinen Platz hinter mit ein und wir beginnen gemeinsam die Kräuter zu schneiden, wobei er jede Bewegung kontrolliert. Was gut ist, weil meine Knie dabei sind unter mir nachzugeben.

“Okay, kannst du ein bisschen Essig ins Wasser auf dem Herd geben. Ein Teelöffel ist genug. Vorsicht, es ist heiß.” Zitternd bewege ich mich, zwinge meine Füße über den Küchenboden. Er scheint unbeeinträchtigt, als er Öl in eine weitere Pfanne gibt. Seine Bewegungen sind effizient, mühelos und es ist eine Freude ihm zuzusehen. Oh Gott… Food-Porn! Kurz darauf pochiert er die Eier, während er den Speck und Gemüse anschwitzt. Ich stehe unterdessen wie angewurzelt da, als mein Blick seinen Händen folgt. Ich wische mir verstohlen den Speichel vom Mund, als er Sauerteigbrot scheidet und in den Toaster tut.

“Kannst du ein paar Teller holen, Baby?” Ich bewege mich nicht. Ich kann mich nicht bewegen. Ich bin zu sehr damit beschäftigt meine überstimulierten Vaginal-Muskeln anzuspannen. “Baby? Bist du OK?” Er nennt mich ständig so. Als ob er es ernst meint. Oh, Gott, bitte lass’ es ihn ernst meinen. Schließlich begreife ich seine Worte. Er muss denken, ich bin ein totaler Trottel. Ich gehe den Tisch decken, während er das Essen auf die Teller verteilt. Selbst die geschickte Art, mit der er die italienische Petersilie drapiert, lässt mich wünschen ein Stück Grünzeug zu sein. Bei dem Versuch mich neu zu konzentrieren, gieße ich Orangensaft ein und hoffe inständig, dass ich ihn nicht über den ganzen Tisch spritze, während ich von seinen Füßen abgelenkt werde. Oh, Mist, ich musste hinsehen. Ich wette er hat sexy Füße. Als er mir mein Frühstück mit einer überschwänglichen Geste serviert, setze ich mich schließlich. “Mademoiselle. Bon appetit.” Er gibt mir einen sanften Kuss und setzt sich ebenfalls. Er hebt meine Hand an seine Lippen und küsst sie und ich ertappe mich dabei, wie ich kichere. Ein albernes Schulmädchen-Kichern. Hinten im Bus, Jungs anglotzend, ein albernes Schulmädchen-Kichern. Du lieber Himmel.

“Sie sprechen Französisch und können Kochen, Sir?” Seine letzten Worte aufzugreifen, in dem Versuch mich selbst zu retten scheint ein wenig sinnlos zu sein, aber verflucht, in der Not frisst der Teufel Fliegen.

“Nein, aber ich spreche Spanisch. Mein Bruder und meine Schwester sprechen Französisch, aber ich musste der rebellische sein.” Sei ruhig mein klopfendes Herz, er ist dabei mir den Antonio Banderas zu machen. Es wird Orgasmen geben. Viele Orgasmen.

“Rebellisch, ja? Also, warum Spanisch?” frage ich und versuche das Quietschen aus meiner Stimme heraus zu halten. Ich spreche Französisch, einschließlich ganz gutem Kreolisch, dass ich bei meinem Freiwilligendienst auf Haiti, nach dem Erdbeben, gelernt habe. Ich spreche selber Spanisch, also verstehe ich nicht, warum seine sprachlichen Fähigkeiten mich meinen Slip tränken lassen sollten, aber irgendwie macht mich die Vorstellung von diesem großen, blonden Muskelprotz ‘ti amo’ flüsternd, geiler als eine läufige Katze.

“Als wir Kinder waren, hatten wir eine spanische Haushälterin. Sie hat nicht viel Englisch gesprochen und obwohl meine Familie sehr geduldig mit ihr war, wusste ich, dass sie sich schwer tat. Also habe ich, als meine Mutter darauf bestand, dass ich eine Sprache lerne, beschlossen Spanisch zu lernen, um ihr helfen zu können.” Er spricht zwischen den einzelnen Bissen seines Frühstücks. Ja, dieser Mann braucht eine Menge zu essen. Mein Kater hat mich auch ziemlich hungrig gemacht und dieses Essen ist fantastisch. Besser als das, was wir beim örtlichen IHOP bekommen hätten. Ich genieße jeden Bissen, erstaunt darüber, wie viel Geschmack er aus ein paar gewöhnlichen Zutaten herausbekommen hat.

“Das ist toll. Hat eure Haushälterin dir das Kochen beigebracht?” Ich schiebe einen weiteren Bissen in den Mund. Einen Preis für glänzende und kultivierte Tischmanieren werde ich heute nicht gewinnen.

“Ja, aber meine kleine Schwester Mia lernt in Frankreich bei einem Meisterkoch. Sie und ich sind uns irgendwie über die Leidenschaft fürs Kochen näher gekommen. Wir essen beide gerne und sie bringt mir alles bei, was sie weiß. Naja… fast alles.” Ich kann in seiner Stimme hören, wie sehr er sie liebt und mein Herz zieht sich zusammen. Dieser Mann ist unglaublich. Liebevoll… witzig… sexy… überraschend ehrlich. Dies ist nicht der Elliot Grey, der die Boulevard-Blätter ziert. Meine Libido und mein Herz sind hier auf Talfahrt. Ich zerbreche mir meinen immer noch schmerzenden Kopf und versuche mich daran zu erinnern, was ich über ihn gelesen habe.

“Erzähl mir von Casey-Grey-Bau.” Er stürzt sich postwendend auf dieses Gesprächsthema. Die nächste halbe Stunde erzählt er mir von seinem Betrieb und seinem Partner James und wie sein Bruder ihm dabei geholfen hat das Geschäft aufzubauen. Er sieht Christian offensichtlich als das ökonomische Gehirn der Familie und er lobt seine Tugenden, wenn es darum geht, ihnen zu helfen auf einem sicheren Fundament zu stehen. Aber wenn er über das Bauen selbst spricht, nun ja, das ist ganz und gar Elliot. Er spricht mit dieser wirklich ansteckenden Leidenschaft über nachhaltigen Wohnungsbau und Recycling-Materialien. Er erzählt mir von Bauprojekten, die ihn in die ganze Welt gebracht haben und wie seine Firma blüht, trotz der wirtschaftlich angespannten Lage. Selbst seine Intelligenz und sein Wissen sind unglaublich sexy. Wie kann ich diesen Mann nicht lieben?

Oh mein Gott. Das kann nicht passieren. Wir haben uns gerade erst kennen gelernt, wir haben noch nicht einmal miteinander geschlafen und ich bin bereits bis über beide Ohren verliebt. Sofort unterdrücke ich diese Gefühle; ihnen ist nicht zu trauen.

Wir kehren zum Thema Familie zurück und er bringt mich mit Geschichten aus seiner Kindheit zum Lachen. Es ist offensichtlich, dass er seine Eltern und Geschwister liebt und dass die Leute, die ihm nahe stehen, ihm viel bedeuten. Ich habe Tränen in den Augen, als er eine Story erzählt, in der es um einen Kampf mit Christian geht, der in einer Kampfsport-Fehde endete. Er spielt ganze Szenen des Kampfes nach und schon wieder bin ich fasziniert von seinen Bewegungen, davon wie er spricht und von seiner Bescheidenheit. Anscheinend wusste er, dass Christian ihn krankenhausreif prügeln würde, also flüchtete er in Sarkasmus und haute dann so schnell wie möglich ab und kam schließlich nicht eher aus seinem Versteck, bis er sicher war, dass Christian sich beruhigt hatte. Er erzählt mir, dass er wusste, dass Christian Aggressionsprobleme hatte, als Ergebnis eines rauen Starts ins Leben bevor ihre Eltern ihn adoptierten, aber er geht nicht ins Detail. Obwohl es ihm Angst machte, hat er Christian nie als etwas anderes gesehen, als einen Bruder, den er liebt und verteidigen würde. Scheinbar gab es nichts Stärkeres als die Grey-Brüder, wenn sie in die Ecke gedrängt wurden und er erzählt ein paar Geschichten über ihre ‘Schwierigkeiten’.

Mir laufen die Tränen vor Lachen, als er fertig ist, während er mir dabei hilf die Küche aufzuräumen und ich bin mehr als nur ein wenig verängstigt darüber, wie viel er mich empfinden lässt. Dennoch, in einer Gesprächspause ertappe ich mich dabei, wie ich über seine Worte nachdenke. Christian hat ein Aggressionsproblem. Er hat es seit seiner Kindheit. Heißt das, das Ana im Augenblick in physischer Gefahr ist?

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