Kapitel 7: Ich will dich so sehr


Jetzt will ich jemanden sehr

Hab’ ein Mädchen gefunden heute Nacht

Will jemand neues, jemand neues

Bloß ein kleiner Schrei, will jemanden sehr

Will wissen wie meine Chancen stehen

Ich will es wissen

Bin ich sicher, dass ich dich richtig verstanden habe, ich will es wissen

Wenn du mich verlassen willst, dann tue es heute Nacht

– I want Someone Badly – Jeff Buckley –

Ich bleibe abrupt in der Mitte der Straße stehen und boxe ihm gegen die Schulter. Dreh’ dich um und sieh’ mich an, du elender Mistkerl. Er starrt mich mit einem wütenden Blick an, der sagen will ‘Reiz mich nicht’, aber ich mache Druck. “Was geht hier vor? Was will dein Bruder von Ana?”

“Das kann ich dir nicht sagen, Kate.” Er hört sich ziemlich sauer an, aber ich bin es erst recht. Leider ist er stärker als ich und umklammert meine Hand wie mit einer Schraubzwinge, als er mich die Straße beinahe hinauf schleift. Mit dem Thema bin ich noch nicht durch und werde ihn mit Sicherheit nicht die Oberhand gewinnen lassen. Wenn er mir nicht antwortet, gehe ich zurück in die Bar und stelle Mr. Christian-‘arrogant’-Grey zur Rede. Leider muss ich dafür erst einmal den Neandertaler dazu bringen meinen Arm loszulassen, daher nutze ich den Augenblick, drehe mich um und zwinge ihn damit zum Stehenbleiben.

“Also, wenn du meine Fragen nicht beantwortest, gehe ich zurück zu meinen Freunden.” Ich entreiße ihm meine Hand und mache kehrt Richtung Bar. Ein Sieg für mich. Ich bin mit wilder Entschlossenheit unterwegs, als sich die Riesenfaust des Steinzeitmenschen wieder um meine Hand legt und ich mich plötzlich mit meinem Gesicht an seiner Brust wiederfinde. Es ist eine sehr schöne Brust, eine sehr muskulöse Brust, über die ich gerne mit meiner Zunge fahren würde. Hör’ auf Kate! Ich lenke meinen Blick zu seinem Gesicht und finde ein süffisantes, mit Grübchen versehenes Grinsen unter einem paar hellblauer Augen. Wie kann jemand so verdammt gutaussehend sein? Dann fängt er an zu reden.

“Du beantwortest meine Fragen auch nicht, Engel.” Bevor ich etwas erwidern kann, packt er erneut meine Hand und stolziert weg von dem Ort, zu dem ich will. Wir schlängeln uns durch die parkenden Autos hindurch, wobei meine Manolos unser Fortkommen deutlich verlangsamen. Na ja, das und die Tatsache, dass ich mich absichtlich zurücklehne, in dem aussichtslosen Versuch ihn zu bremsen. Ich bleibe mit dem Absatz in einer Ritze hängen und stolpere. Sofort schlingt er die Arme um mich, verhindert, dass ich mit dem Gesicht zuerst auf dem Asphalt lande und sendet mit seiner Berührung eine Flut von Stromstößen durch meinen Körper, aber es muss einseitig sein, denn plötzlich hebt er mich hoch und wirft mich über seine Schulter. Mein Aufschrei wird durch sein Gelächter übertönt und dann klatscht er mir mit seiner Hand leicht auf den Hintern. Oh Mann, ich will das nicht mögen! Ich schlage seine Hand weg.

“Hör’ auf du Hornochse! Lass mich runter!” fauche ich. Im Ernst, Zähne fletschen ist es wohl eher im Augenblick. Ich konnte dominante Männer noch nie leiden und ich schätze es nicht wie seine letzte Beute behandelt zu werden. Was glaubt er, was er hier tut? Zuerst bestimmt er den Verlauf meines Abends, dann schreibt er mit vor, wie ich mich zu verhalten habe, wenn meine Mitbewohnerin von seinem gruseligen und herrischen Bruder entführt wird und zu guter Letzt beendet er meinen Abend indem er mir, bildlich gesprochen, eins über den Schädel gibt und zurück in seine Höhle zerrt. Er geht zügig die Straße hinunter und meine Stimmung ist mörderisch. “Was zum Teufel denkst du, was du hier tust? Ich will noch nicht nach Hause. Lass mich runter… sooofort!”

“Oh, dein Abend ist sowas von zu Ende, Engel.” Er unterbricht seinen Marsch nicht für einen Moment, obwohl ich seinen Rücken mit meinen Fäusten bearbeite. “Ich werde dich nach Hause bringen und du wirst deinen Rausch ausschlafen. Morgen früh wirst du dann ruhig darauf warten, dass mein Bruder deine Mitbewohnerin zu dir zurück bringt und du wirst merken, dass er doch kein so übler Kerl ist.” Umpf!

“Ich… bin… nicht… betrunken!” Ich will kein Vergnügen dabei empfinden seinen straffen Rücken unter meiner flachen Hand zu spüren, als ich versuche ihm die Scheiße aus dem Leib zu prügeln. Ich vermute, dass meine heftigen Schläge für ihn eher wie Mückenstiche wirken und das ärgert mich noch mehr. Ich mache weiter, ohne Luft zu holen. “Und du brauchst mir nicht zu sagen, was ich zu tun habe. Ich weiß, dass sie im Heathman sind und ich schwöre, sobald du mich runter lässt, gehe ich dort hin und rette sie. Dein Bruder ist ein Kontroll-Freak und ein Spinner und nutzt gerade ein sehr betrunkenes und unschuldiges Mädchen aus. Und jetzt weiß ich auch woher er das hat.” schreie ich ihn an. Mein Körper zittert vor Wut. Wie kann er es wagen? Verdammter Wolf im Schafspelz! Dieses schöne, unbekümmerte Gesicht verbirgt das Hirn eines Tyrannen.

Er lacht und geht weiter. Das Arschloch lacht mich aus. Er lacht mich verdammt noch mal aus! Bevor ich es überhaupt mitbekomme, sind wir bei meinem Apartment, das offenbar fußläufig von der Bar zu sein scheint. Aber woher zum Teufel weiß er wo ich wohne? Sein verdammter Stalker von einem Bruder wette ich. Er lässt mich runter und stellt mich vorsichtig auf den Bürgersteig. Ich widerstehe dem Drang ihm gegen das Schienenbein zu treten. Oder meinen Absatz in seinen Fuß zu bohren.

“Gute Nacht, Katie. Danke für den Tanz.” Er lächelt mich an und streicht eine Strähne hinter mein Ohr. So wie er mich ansieht, bin ich hin- und hergerissen zwischen dem Bedürfnis ihn zu küssen und ihn zu schlagen. Den Mittelweg nehmend, zügele ich meinen Ärger.

“Oh nein, das wirst du nicht tun. Du schiebst deinen Hintern in diese Wohnung. Wir werden reden.” Er sieht mich an, als wolle er mir widersprechen, doch als das Licht im Nachbarhaus angeht, überlegt er es sich anders. Er fährt sich mit der Hand durch die Haare, seufzt und geht zur Eingangstür. Kluger Schachzug, Grey.

In dem Versuch nicht betrunken herumzufummeln, öffne ich die Tür mit meinem Schlüssel und lasse uns rein, schalte das Licht an und lasse, während ich weiter gehe, meine Tasche und meine Jacke fallen. Ich gehe direkt in die Küche und setze Wasser auf. “Willst du einen Tee oder Kaffee?”

Ich spüre wie er mir folgt und ohne mich umzudrehen weiß ich, dass er die Räumlichkeiten in sich aufnimmt. “Tee ist gut, Danke. Tassen?” Ich deute auf den Schrank und er bedient sich. Wir bewegen uns umeinander herum in synchronen Bewegungen, was mich ziemlich wahnsinnig macht. Man könnte denken, er wohnt hier und je ungezwungener er erscheint, je wütender werde ich. Ich werfe die Teebeutel in die Tassen, er gießt Milch ein und wir geben einander den Zucker. Mit den Tassen in der Hand, gehen wir zum Esstisch und setzen uns.

“Jetzt spuck’s aus, Grey. Was zur Hölle geht hier vor?” frage ich. Er pustet in seinen Tee, bevor er einen Schluck nimmt. Ich starre ihn über den Rand meiner Tasse hinweg an. Glaub’ nicht, dass du hier raus zu kommst, ohne mir zu antworten. Für einen Moment sieht es so aus, als wolle er eine dumme Entscheidung treffen, lehnt sich dann aber mit einem Seufzen in seinen Stuhl zurück.

“Schau, ich weiß es auch nicht. Christian geht nie aus und erzählt mir mit Sicherheit auch nichts über sein Liebesleben. Dann ruft er mich plötzlich diese Woche an und lädt mich nach Portland ein. Wir wollten eigentlich Wandern gehen, aber dann hat er den ganzen Tag gearbeitet, so sagt er zumindest. Und eh’ ich mich versehe, hat er mich heute Abend um Hilfe gebeten um Ana zu retten.” Er hat mich die ganze Zeit nicht angesehen. Stattdessen sind seine Augen auf seine schönen Hände gerichtet, die langsame Kreise um den Rand seiner Tasse ziehen. Ich lasse mich ebenfalls von ihren Bewegungen ablenken, bevor ich begreife, was er sagt.

Mist. “Also ist sein Verhalten untypisch? Wieso glaubte er, sie bräuchte Rettung?” frage ich. Ich denke immer noch, dass Christian Grey ein verdammter Stalker ist, denn der heutige Abend war ein wenig zu unwirklich für meinen Geschmack. Dann fällt mir ein, was Elliott meinte, als er mich heute Abend in der Bar das erste Mal angesprochen hat. Mist, Christians Jagdverhalten beunruhigt ihn auch.

“Sie hat ihn angerufen. Betrunken.” Unterbricht er meine Gedanken und ich sehe ihn überrascht an. Er nickt. “Ich weiß nicht, was sie gesagt hat, aber er hatte uns so schnell im Auto und auf der Straße, dass mir ganz schwindelig war. Dann hat er mich gebeten in die Bar zu gehen und mich um dich zu kümmern. Dich aus dem Weg zu schaffen und dafür zu sorgen, dass du sicher nach Hause kommst.” Wenigstens hat er jetzt den Anstand schuldbewusst auszusehen und ich bedauere ihn beinahe. Beinahe.

“Also tust du alles, worum dich dein Bruder bittet?” In diesem Augenblick formt sich ein schrecklicher Gedanke in meinem Kopf. Er wird niemals mit mir schlafen. All diese Anziehung ist einseitig und heute Abend ging es garnicht um ihn und mich. Kommst du dir jetzt ein wenig albern vor, Kavanagh? Es ging nur um einen Gefallen für seinen Bruder und ich habe eine Nacht zwischen den Laken und die nächsten zwanzig Jahre meines Lebens geplant. Wie bescheuert du sein kannst, Kate!

“Schau, Katie, ich wäre gekommen, wenn du mich darum gebeten hättest.” Verdammter Gedankenleser. “Wie ich gesagt habe, Christian erzählt mir nie etwas über sein Liebesleben und der Tatsache, dass er auch nur im Entferntesten meine Hilfe wollte, war… zu schwer zu widerstehen.” Er wäre vorbei gekommen, wenn ich gefragt hätte? Tja, ich frage jetzt. Eigentlich bettele ich hier ziemlich. Schlaf’ mit mir! Oh, halt den Mund, Kavanagh, du bescheuerte Schlampe! Es ist ein ziemlicher Kampf, aber schließlich bringe ich meinen Journalistenkopf wieder ins Spiel.

“Aber was glaubst du, will er mit ihr? Ich meine, Ana ist eine dieser Seltenheiten im Leben, ein liebes Mädchen, unschuldig. Während er so aussieht, als wolle er sie an sein Bett fesseln, Herrgott nochmal! Er wird ihr wehtun.” Ich bin so in meiner kleinen Rede gefangen, dass ich beinahe seinen schockierten Gesichtsausdruck verpasst hätte. Was? Was habe ich gesagt?

“Mist. Ich weiß nicht, was er will. Er hat keine Beziehungen, jedenfalls nicht die Herzchen- und Blümchen-Variante. Und woher soll ich wissen, dass Ana ihn nicht nur seines Geldes wegen will? Was lässt dich glauben, dass er durch so etwas nicht verletzt wird?” Du Mistkerl! Er sieht mich an und ich sehe den Augenblick, als er meine Wut bemerkt. Ja, sieh’ zu, Arschloch, ich schlage jetzt zu!

“Ana ist niemand der auf Geld aus ist.” betone ich jede Silbe, nur für den Fall, dass er zu dämlich ist meine Botschaft zu kapieren. Jede Faser meines Körpers würde ihn am liebsten windelweich prügeln. Er sieht mich weiter an und ich erwarte, dass er zuerst wegsieht, aber er tut es nicht. Stattdessen lehnt er sich zurück, kreuzt die Arme vor der Brust und lässt seine verdammten Bizeps anschwellen. Das macht er absichtlich, der Mistkerl. Ich schlucke die sich bildende Spucke herunter, bevor ich peinlich anfange zu sabbern. Und dann unterschreibt er sein eigenes Todesurteil indem er seinen Mund öffnet.

“Tatsächlich? Sie hat vier Jahre lang von dir gelebt. Und in Seattle wird sie sich auch weiterhin von dir aushalten lassen, oder etwa nicht? Ist das nicht der Plan?” Was zum Teufel?

“Woher weißt du das?” Meine Stimme ist kaum mehr als ein Flüstern, mit kaum unterdrückter Wut, aber wenn sie Zähne hätte, hätte sie ihm seine Hand ausgebissen. Ich bin nicht wütend, weil er falsche Anschuldigungen erhebt. Ich bin wütend, weil er Recht hat und nicht einmal Ana weiß, wie Recht er hat. Ana wohnt hier, sie zahlt Miete, Nebenkosten und Essen, aber sie weiß nicht, dass es nicht einmal reicht, um ein Drittel unserer Ausgaben zu decken. Das hat mich nie gestört. Ich habe genug Geld, um für uns beide zu bezahlen, aber sie würde niemals meine Großzügigkeit akzeptieren, wenn sie es wüsste. Zum Teufel, nicht einmal mein Vater weiß, wie viel Ana für den Unterhalt hier bezahlt.

Dieser große, blöderweise umwerfende Neandertaler nimmt seine blöderweise umwerfenden Arme herunter, legt sie auf seine wohlgeformten, in Jeans gekleideten Oberschenkel und sagt zur Abwechslung einmal nichts. Sein mit Schuldgefühlen beladener Blick schweift durch den Raum. Du nimmst besser die Beine in die Hand, Arschloch!

“Woher weißt du das?” frage ich erneut. Nachdem er für einen Moment seine Hände begutachtet hat, setzt er sich anders hin und lehnt seine Ellbogen auf den Tisch, fährt sich mit den Händen übers Gesicht und durch die Haare. Die offensichtliche Anspannung in seinem Körper ist nichts im Vergleich zu der Spannung zwischen uns im Augenblick.

“Christian hat eine Akte über sie.” Mein Mund bleibt offen stehen. Tja, Scheiße! “Es ist nicht das, was du denkst. Er ist ein sehr wohlhabender und mächtiger Mann und eine Menge Leute sind von ihm abhängig. Er muss sehr vorsichtig sein, mit wem er sich umgibt. Zu seiner Sicherheit und zu deren.” Entschuldige, aber selbst du kannst diesen Mist nicht rechtfertigen, Elliot Grey.

Ich stehe auf, mein Körper zittert. “Also stellt er Nachforschungen über seine potentiellen Freundinnen an? Himmel, welcher Perverse macht denn so etwas? Was zum Teufel gibt ihm das Recht dazu?” Meine Stimme steigt an, sowohl in der Tonhöhe, als auch in der Lautstärke. Scheiß auf die Nachbarn! Ich war noch niemals so wütend.

“Kate, schau, ich kann mir vorstellen, dass das verstörend ist, aber das ist nicht unüblich. Scheiße, dein Vater ist selber Geschäftsmann. Wie viele Leute hat er überprüfen lassen, im Laufe der Jahre? Glaubst du, dass er, wenn er jemals von uns erfährt, mich nicht überprüfen lassen würde?” Er will meine Hand ergreifen, aber ich ziehe sie weg, schüttele ihn ab. Er hat Recht, natürlich, aber er hat nicht das Recht Recht zu haben. Oh Mann, jetzt beherrsche ich nicht einmal mehr die englische Sprache.

“Es… gibt… kein… ‘uns’.” Und wieder betone ich jede Silbe, diesmal, indem ich, mit jedem Wort, meinen Finger in seine Brust steche. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mich hier selbst zu überzeugen versuche. “Und was zur Hölle hat mein Vater damit zu tun?” brülle ich, während ich ihn mit meinen Händen zurückstoße. Ich bin fuchsteufelswild und das scheint ihn nervös zu machen. Gut. Er lenkt mich mit Gerede über meinen Vater ab. Dieser hinterhältige Sex-Gott weiß irgendetwas und versucht es vor mir zu verbergen. Mein Atem geht angestrengt und schnell, als ich ihn anstarre. Glaubt er seinen Bruder zu beschützen? Und würde ich nicht auch alles für meinen Bruder tun? Für meine Familie? Für Ana? Der Gedanke lässt mich die Stirn runzeln. Je mehr ich über sein Verhalten nachdenke, je überzeugter wird mein betrunkenes, Tequila-getränktes Gehirn, dass Christian Grey ein großes Geheimnis hat und sein Bruder hier ist, um seine Interessen zu schützen. Dann geht mein Hirn an einen wirklich dunklen Ort. Oh Scheiße, ich bin nur Kollateralschaden. Ich weiß nicht, warum ich geglaubt habe, dass dies anders läuft. Das ist irgendwie deprimierend. Meine Augen fest auf seine gerichtet, versuche ich noch einmal mich selbst zu überzeugen, “Es… gibt… kein… ‘uns’.”

Er lehnt sich wieder in seinem Stuhl zurück, schüttelt seinen Kopf und ein schmales Lächeln stiehlt sich auf sein Gesicht. “Das meinst du nicht so, Katie. Du hast es genauso stark gespürt wie ich. Da ist irgendetwas und das kannst du nicht leugnen. Ich habe garantiert noch nie so für jemanden empfunden und ich bin mir ziemlich sicher dir geht es ebenso.”

Meine Augen weiten sich. “Erzähl’ mir nicht, was ich empfinde.” Ich wende mich vom Tisch ab, in der Hoffnung, dass ich, wenn ich den Blickkontakt breche, an meinem Ärger festhalten kann. Stattdessen schießt eine Woge der Lust durch meinen Körper und lässt meine Knie weich werden. Ich brauche einen Moment um mein Gleichgewicht wiederzufinden. Der Bastard hat gerade meine beste Freundin beschuldigt nur hinter Geld her zu sein, er hat die Stalker-Tendenzen seines Bruders verteidigt, er behält ein Mammut-Geheimnis für sich, das möglicherweise Ana unermesslichen Schmerz zufügen kann und er hat meinen Vater beschuldigt Erkundigungen über meine Liebhaber einzuholen. Was kann er noch sagen, um mich zu beleidigen? Und doch will ich ihn immer noch, mit jeder Faser meines Körpers. Ich will in seinem Körper Erfüllung finden. Im nächsten Augenblick fühle ich ihn hinter mir und seine Hände gleiten zu meiner Taille. Er geht behutsam mit mir um und dass muss er verdammt nochmal auch.

“Süße, wir können entweder dafür sorgen, dass es hier um sie geht oder wir können dafür sorgen, dass es um uns geht. Was ich will, weiß ich.” Ich drehe mich um, um ihn anzusehen, mit zornigen Tränen in meinen Augen. Die Wut mag nicht genug sein, um mich zum Weinen zu bringen, aber der Alkohol ist es bestimmt. Vor jemand anderem, als meiner Mutter oder Ana, zu weinen, ist ein Hard-Limit für mich und ich will verdammt sein, wenn ich vor ihm anfange zu heulen. Aber ich will, dass er sich mies fühlt. Mies genug, um mir alles zu erzählen, was er über seinen Bruder vor mir verbirgt. Eine kleine Manipulation sollte helfen. Also sehe ich in seine blauen Augen und zwinge meine Tränen zu laufen. Er sieht ehrlich bestürzt aus und legt seine Hände auf meine Wangen und küsst sanft die Tränen weg, von denen ich bis jetzt geglaubt habe, ich würde sie erzwingen. Aber seine Zärtlichkeit hat mich zu Fall gebracht und ich fange richtig an zu heulen. Oh, das ist nicht gut. Ich verstehe das alles nicht. Ich bin Katherine Kavanagh, verdammt nochmal. Ich heule und jammere nicht vor Männern. Dieses Benehmen ist der Abgeschiedenheit meines Apartments, in meinen pinken Flanell-Pyjamas mit einer Familienpackung Schokoladen-Karamell-Eis-Creme, vorbehalten. Ich bin stark, schön, intelligent, reich und kein proletarischer Neandertaler sollte mich so empfinden lassen, egal wie fantastisch er ist!

Aber ich kann meine Gefühle einfach nicht unter Kontrolle bringen und das erste Mal heute Abend verspüre ich Angst. Nun, jede vernünftige, sachliche Person hätte Angst gehabt, wenn sie aus einer Bar gezerrt worden wäre und während sie über der Schulter eines Fremden hin, die Straße entlang geschleppt worden wäre. Sie sollte mit Sicherheit Angst empfinden, wenn sie besagten Fremden in ihre Wohnung einlädt, obwohl ziemlich sicher ist, dass ihre Mitbewohnerin nicht vor dem nächsten Morgen zu Hause sein wird. Aber nein, nicht ich. Nichts von alledem ist es, warum ich Angst habe. Meine Angst ist, dass ich hier Gefühlen ausgeliefert bin, die so greifbar und real sind, dass ich ihnen nicht traue. Meine Angst ist, dass ich mit diesem Mann verbunden sein will und nie mehr loslassen möchte. Mein Liebesleben besteht aus einer Reihe von zeitweiligen Enttäuschungen, dazu gemacht meine Gefühle in mich hineinzufressen, um sie dann mit noch mehr bedeutungslosem Sex zu eliminieren. Männer gehen davon aus, dass sie mich erobern und dann schnell weiterziehen können und ich bin an diese Oberflächlichkeit und Unbeständigkeit gewöhnt. Vor langer Zeit habe ich gelernt Männer ebenso zu benutzen, wie sie mich benutzen. Aber was ich in den Augen dieses Mannes sehe, sieht nach so viel mehr aus, als das Verlangen nach einem bedeutungslosen Fick. Es sieht nach Ehrlichkeit und tiefem Empfinden aus. Viel gefährlicher als alles, was ich bisher erlebt habe.

“Du wirst mich verletzen.” flüstere ich, mein Körper zittert. Seinen Kopf schüttelnd, küsst er meine Augen, aber ich höre nicht auf, “Ich will nicht, dass du mir wehtust.”

“Verflixt, Katie, ich will dir auch nicht wehtun. Hör’ zu Baby, ich bin nicht mein Bruder und ich will dir nicht wehtun. Ich weiß nicht, was das hier ist, aber vielleicht können wir es langsam angehen lassen und gemeinsam herausfinden.” Meine Entschlossenheit schwindet und ich fange an zu schluchzen. Er zieht mich an seine Brust und schlingt seine Arme um mich, streichelt meinen Rücken und küsst meine Haare. Niemand hat mich jemals so verletzlich gesehen und dieser Mann erlebt mich in meiner schlimmsten Stunde. Ich fühle mich, als würde ich ihm eine Waffe aushändigen. Eine, mit der er mich zerstören kann. Er führt uns zum Sofa und ich bin in seinem Schoß und heule unkontrollierbar. Dummes, dummes, betrunkenes Mädchen. Das beruhigt mich ein bisschen. Es muss der Alkohol und der Stress der letzten Wochen sein. Oder die Sorge um meine beste Freundin. Wem versuchst du etwas vorzumachen, Kavanagh? Jetzt heule ich, weil er mich so zärtlich festhält. Kein Mann in meinem Leben hat mich jemals gehalten, als ich geweint habe. Mir ist beigebracht worden stark zu sein, keine Furcht zu zeigen, selbstsicher zu sein. Das bin ich nicht und ganz ehrlich, ich habe eine Scheißangst.

Wir sitzen so für fast eine halbe Stunde und schließlich bekomme ich mich unter Kontrolle. Er steht auf, hebt mich direkt in seine Arme als würde ich nicht mehr wiegen als ein paar Pfund.

“Wo entlang, Prinzessin?” Ich deute auf mein Zimmer. Ist es das jetzt? Wird er endlich mit mir schlafen? Ich möchte, dass er bleibt, aber… Gott, vor ein paar Stunden wollte ich heißen, schmutzigen, zügellosen Sex mit ihm. Jetzt fühle ich mich schüchtern und unsicher. Er geht rückwärts in mein Zimmer und stellt mich sanft auf meine Füße. Sich umschauend entdeckt er, oh nein, meinen frisch gewaschenen und gefalteten pinken Pyjama auf meinem Bett liegen. Nicht den Pyjama. Er lächelt nur und hebt mich hoch. “OK Baby, lass’ uns dich umziehen.”

Plötzlich bin ich ein Kind, als er die Nadeln aus meinen Haaren zieht und sie sanft mit seinen Händen kämmt. Instinktiv greife ich nach oben, um seine Brust zu berühren, aber er umfasst ruhig meine Hände und streckt sie in die Höhe. Er zieht mir mein Tank-Top aus. Ich war heute ohne BH unterwegs, in der Hoffnung jemanden aufzulesen und jetzt warte ich darauf, dass er meine Brüste berührt. Ich sehne mich regelrecht danach. Mit einem wehmütigen Blick fährt er mit einem Finger die Mitte meiner Brust hinunter, mein Atem kommt stoßweise, bevor er sich umdreht und mein Pyjamaoberteil holt.

“Arme hoch.” Mit einem Schmollen tue ich, was er sagt und er lacht. Der Neandertaler lacht mich erneut aus und ich fühle mich gekränkt. Er zieht das pinke Flanell-Top über meine Arme und meinen Oberkörper herunter, als würde er ein kleinen Kind anziehen. Dann setzt er sich auf mein Bett, greift nach mir und zieht mich am Bund meiner Jeans zu sich heran. Seine Hände gleiten meine Beine entlang nach unten und ich beginne vor Verlangen zu zittern. Heiße Feuchtigkeit sammelt sich zwischen meinen Beinen und ich weiß, dass er es weiß. Ich will, dass er mich dort berührt, aber er setzt seinen Weg fort zu meinen Knöcheln. Er hebt nacheinander meine Füße an und zieht mir meine Highheels aus, dann stellt sie vorsichtig unter das Bett. Seine Hände kehren zurück zur Rückseite meiner Knie, er streicht nach oben über meinen Hintern und ich fühle, wie ich mich selbst schamlos in Richtung seines Kopfes schiebe, um ihn anzuspornen seinen Kopf in meinem Schritt zu vergraben. Nicht sehr dezent, Kate. Aber ‘dezent’ ist zusammen mit ‘gesunder Menschenverstand’ die Straße hinunter gehüpft und hat mich mit ‘schamloses Luder’ alleine gelassen. Aber statt mein unverfrorenes Angebot aufzugreifen, drückt er mir einen keuschen Kuss auf den Bauch, während er meine Jeans öffnet und sie über meine Hüften schiebt. Meine Enttäuschung verbergend, steige ich aus ihr heraus und erlaube ihm sie aufzuheben und über den Stuhl in der Ecke meines Zimmers zu werfen. Dann sieht er mit einem Lächeln zu mir auf.

“Nur damit das absolut klar ist, ich möchte wirklich gerne mit dir schlafen, Engel, aber ich werde die Situation nicht ausnutzen, während du noch betrunken bist.” Seine Augen sind auf meine gerichtet, mit so viel Feuer, dass ich in Flammen aufgehen könnte. Dann wandern seine Hände zurück zu meinen Hüften. “Ich werde dir jetzt den Slip ausziehen, aber ich möchte, dass du weißt, dass es mich all meine Selbstkontrolle kostet dich nicht zu berühren.” Ich nicke stumm, fühle eine Mischung aus Enttäuschung und Erregung. Er tut genau das, was er gesagt hat, greift dann nach meiner Schlafanzughose und hilft mir hineinzusteigen, bevor er sie bis zu meiner Taille hochzieht. Er drückt einen weiteren keuschen Kuss auf meinen Bauch und ich will ihn so sehr, dass es wehtut.

“Du würdest die Situation nicht ausnutzen.” flüstere ich, “Ich will dich auch.” Er lächelt und dreht mich zur Tür.

“Sei ein braves Mädchen und geh’ deine Zähne putzen.” Er tätschelt meinen Hintern und schiebt mich Richtung Tür. Gehorsam gehe ich ins Badezimmer und er folgt mir einen Moment später. Mich im Spiegel betrachtend greift er an meiner Schulter vorbei nach einem Packet Makeup-Tücher auf der Ablage und entnimmt eins. Ich putze meine Zähne fertig und er dreht mich herum, hebt mich hoch und setzt mich auf den Waschtisch.

“Mach’ deine Augen zu.” flüstert er. Ich tue es und er beginnt sanft mein Makeup zu entfernen, während er mit seiner anderen Hand mein Kinn umschließt. Als er fertig ist, wirft er das Tuch in den Mülleimer, bevor er mein Gesicht küsst, meine Augen, meine Stirn, meine Nase, meine Wangen. Schließlich fährt er mit seiner Zunge gemächlich meinen Kiefer entlang zu meinem Ohrläppchen. Mein Körper schmerzt vor Verlangen und ich kann nicht verhindern, dass ein Stöhnen über meine Lippen kommt. Niemand ist jemals so sinnlich, so sanft zu mir gewesen. Ich bin verloren in einem Meer von Empfindungen.

Schließlich löst er sich von mir, hebt mich herunter, nimmt meine Hand und führt mich zurück in mein Zimmer. Die Bettdecke ist zurückgeschlagen und er bedeutet mir mich hinzulegen. Nachdem er mich zugedeckt hat, setzt er sich auf die Bettkannte und streichelt meine Haare. Ich bin so verwirrt.

“Ich verstehe das nicht. Warum willst du mich nicht? Ich will dich doch.” Ich fühle mich wie ein Kind. Vielleicht ist es das, vielleicht ist es der Altersunterschied zwischen uns. Er muss sieben oder acht Jahre älter sein als ich. Ich runzle die Stirn als ich mich daran zu erinnern versuche, was ich über ihn gelesen habe.

Mit einem Seufzen schließt er kurz die Augen. “Katie, in diesem Augenblick will ich dich mehr als die Luft zum Atmen, aber du musst entscheiden was du willst und du musst nüchtern sein, wenn du es tust. Ich bin kein Idiot. Ich weiß, dass du eine Journalistin bist. Du kennst meinen Ruf.” Was meint er? “Aber, wenn wir es tun, verspreche ich dir, dass es keine anderen geben wird. Für keinen von uns. Es wird keine nächtlichen Trinkgelage mehr geben, kein Herumflirten und Anmachen von Typen mehr in Bars.” Ich weiß, dass im Moment mein Mund offen steht und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich feuerrot anlaufe. Natürlich rast mein Herz und mein Atem ist nur ganz flach. Scheiße, kann dieser Mann noch begehrenswerter werden. Ich könnte ihn essen. Er kichert. “Ja, ich weiß auch über dich Bescheid, Miss Kavanagh.”

“Woher weißt du über mich Bescheid?” Bestimmt lässt sein Stalker-Bruder mich nicht durch die Bars verfolgen?

“Katie, ich kenne deinen Typ, Himmel, ich kenne möglicherweise einige deiner Freunde.” Scheiße! Das ist ein leidenschaftskillender Gedanke! “Tja, sorry Schatz, ich kann die Vergangenheit nicht ändern. Ich mag dort gewesen sein und ich weiß, du glaubst mir in diesem Moment nicht, aber ich bin alt genug zu wissen, dass dies hier anders ist. Du bist anders. Diese Sache zwischen uns ist… echt. Es mag nicht von Dauer sein, aber es wird intensiv und gefühlsbetont sein und wir verbrennen uns möglicherweise beide die Finger. Wir müssen in dies mit offenen Augen gehen und ich werde dich nicht eher dorthin mitnehmen, bis ich mir sicher bin, dass du diese Entscheidung bei klarem Verstand triffst, weil, wenn ich dich dorthin bringe, dann gibt es kein Zurück mehr.”

Mein Gehirn ist stehen geblieben. Komplett. Er hat mir nicht nur den Atem geraubt, sondern jeden Anflug eines rationalen Gedankens. Meint dieser Mann das Ernst? Niemand beginnt so eine Beziehung, oder? Es gibt keine Liebe auf den ersten Blick. Ist es das, was er sagt? Dass er sich in mich verliebt hat? Ich habe Typen schon für weniger ausgelacht und in die Gosse getreten. Was macht ihn so besonders? Ich weiß, er wartet auf meine Antwort, aber ich weiß nicht wie ich antworten soll.

“Ich gehe besser.” Er sieht traurig aus und ist dabei aufzustehen. Mein Arm schießt nach vorne und ich ergreife instinktiv seine Hand.

“Ich will nicht, dass du gehst.” Für einen Moment sieht er hoffnungsvoll aus, aber dann scheint er die Zweifel in meinen Augen zu sehen und schüttelt den Kopf. “Nein, ich sage nicht, dass ich ‘für immer’ will. Aber ich möchte im Moment nicht alleine sein. Kannst du bitte bleiben? Wenigstens bis ich eingeschlafen bin?” Mein innerliches Kind ist zurück und ich denke, ich klinge genauso bockig und verwöhnt, wie ich mich fühle. Ohne ein weiteres Wort dreht er sich um, geht zur Tür hinaus und lässt mich zurück um vor Scham zu sterben. Ich habe möglicherweise gerade meinen Mr. Perfekt zur Tür hinaus gehen lassen. Die Tränen lauern erneut und ich will gerade die Decke zurückwerfen und ihm nachlaufen, als er zurück in das Zimmer kommt. Er hat ein Glas Wasser und Kopfschmerztabletten in der Hand, die er auf meinen Nachttisch stellt. Er sagt nichts, als er um das Bett herum geht und anfängt sich seiner Jacke, seiner Schuhe und Socken, seines Gürtels, Schlüssel, Handys und Brieftasche zu entledigen, bevor er das Licht aus macht. Ohne die Decke anzuheben, legt er sich in mein Bett und schlingt die Arme um mich, dreht mich herum, bis ich mit meinem Rücken an seiner Brust liege. Ich wische mir die Tränen aus den Augen, bevor ich meine kleinen Hände über seine wunderschönen, großen lege. Er ist warm und zärtlich und mein Herz ist versucht herauszuspringen.

“Danke.” flüstere ich in die Dunkelheit. Ich spüre seine Lippen auf meinen Haaren.

“Gute Nacht, Engel.”

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