Kapitel 3: Totale Kontrolle


Komplette Ruhe, Träume zu schön

Ich kann es nicht ohne Dich tun

Nicht einmal mit Dir

Mit Dir wahrscheinlich nie

Und ich würde meine Seele für die totale Kontrolle verkaufen

Total Control – The Motels

 Im Laufe des Abends stellt sich heraus, dass ich auf José auch ein wenig Druck ausüben muss. Als Ana ihn anruft, kann ich sein Zögern bezüglich des Grey-Jobs übers Telefon hören. Er tönt, er sei ein Künstler, ein ausschließlicher Landschafts-Fotograf und er mache keine Portraits. Er scheint zu vergessen, dass ich ihn, in seinen sehnsuchtsvollen Opfer-unerwiderter-Liebe Momenten, heimlich Schnappschüsse von Ana habe machen sehen. Alleine deshalb schon werde ich ihn dazu kriegen den Job zu machen.

Schließlich kann ich es nicht mehr ertragen, wie sie umeinander herumschleichen. Ich schnappe Ana das Telefon weg, der die Kinnlade herunterfällt. Ja, ja, herrisch und ungeduldig, das ist meine Arbeitsweise. Augenblicklich lese ich ihm die Leviten und drohe ihm gleichzeitig, nicht über seine Ausstellung zu berichten, wenn er uns nicht hilft. José und ich wissen beide, dass ich Levi sofort bekommen kann. Denn trotz anderweitiger Verpflichtungen, würde sich kein Fotograf, der sein Geld wert ist, diese Gelegenheit entgehen lassen. Ich weiß nicht, ob er Lunte riecht, aber ich mache ungeachtet weiter, denn um Anas Willen brauche ich José dort. Sie muss José und Christian zusammen sehen, ebenso wie ich.

Sobald er den Köder geschluckt hat, ändert sich sein Tonfall und er kapituliert nur allzu leicht vor dem Kavanagh-Charme. Ich lasse mich nicht täuschen. Sollte sich zwischen Ana und Christian Grey auch nur der Verdacht gegenseitiger Anziehung zeigen, wird er mich später zusammenstauchen, aber nicht solange Ana es mitbekommen kann.

Sobald ich Josés Einwilligung habe, werfe ich Ana das Telefon wieder zu und bringe sie dazu Christian Grey anzurufen. Ich kann seinen knappen, geschäftsmäßigen Tonfall hören, wenn er abnimmt. Er ist sehr schroff am Telefon, eine Eigenschaft, die ich von meinem Vater kenne und die ich von Zeit zu Zeit nachzuahmen versuche. Ana sieht aus wie ein verschrecktes Tier, aber als sie sich meldet, passiert etwas Merkwürdiges. Sein ganzes Verhalten ändert sich und dieses verführerische Grollen hallt durch die Telefonleitung und den ganzen Raum. Und jetzt stehe ich da, wie ein verblüffter Goldfisch. Was zur Hölle?

Ana bemerkt schließlich, dass ich lausche und verschwindet Richtung Küche, um ein bisschen Privatsphäre zu haben. Sie ist ziemlich aufgewühlt. Verdammt, ich wäre es ebenso und das überrascht mich irgendwie. Meine Neugierde siegt und ich folge ihr leise. Sie ist erstarrt und da ist ein Zittern in ihrer Hand, das dem ihrer Stimme entspricht, die ganz belegt und interessant klingt. Sie bemerkt mich erst, als das Gespräch beendet ist. Als sie sich zu mir umdreht, sehe ich diesen vollkommen verwirrten, dunkelroten Ausdruck in ihrem Gesicht und diesen wertvollen Moment, als sie schließlich ausatmet. Oh Freundin, Du bist ja total verknallt!

“Anastasia Rose Steele. Du magst ihn! Ich hab’ Dich noch nie so sehr von jemandem… beeindruckt gesehen. Du wirst sogar rot.” Ich weiß, ich hätte nicht lauschen sollen. Ich hätte mit Sicherheit nicht drängen sollen, aber das ist eine Seite von Ana, die ich in den vier Jahren unserer Freundschaft noch nie gesehen habe. Jeder würde sagen, dass ihr dieser atemlose und leidenschaftlich Blick steht, aber er macht mir eine Heidenangst. Ana hat keine Ahnung, obwohl dieser Kerl wirklich gefährlich sein kann. Und wenn er in all den Jahren nie mit irgendeiner Frau gesehen wurde, was macht er dann mit den Leichen?

Als ich sie darauf hinweise, welche körperliche Wirkung er auf sie hat, blafft sie mich an, dass sie andauernd rot werden würde. Schwachsinn. Und dann sagt sie etwas, das mir wirklich Sorgen macht.

“Ich finde ihn nur… einschüchternd, das ist alles.” Oh Ana. Das ist nicht alles und es ist nicht richtig. Wenn Du Dich in einen Mann verliebst, lass’ ihn nicht jemand sein, der Dich einschüchtert.

Ich drehe mich um, etwas darüber murmelnd Räumlichkeiten im Heathman Hotel zu organisieren. Wie erwartet würde er dort bleiben und ich werde seinen Namen benutzen müssen, um die Angestellten im Heathman zur Zusammenarbeit zu bewegen. Am Ende ist es doch nicht so schwer. Ich kann das Geifern des Portiers hören, als ich ihm unsere Wünsche für das Fotoshooting mitteile. Ja, mach’ den Mund zu, Alter, Du bist einen Blowjob davon entfernt Christian Greys Hure zu werden. Jeder will ein Stück von Sir Grey. Scheinbar einschließlich meiner schüchternen kleinen Freundin Ana.

Aber was wollen Sie von ihr, Mr. Grey? Warum verfolgen Sie eine Hochschulabsolventin so leidenschaftlich? Und wenn Sie sie bekommen, welchen Schaden werden Sie ihr zufügen, wenn Sie sie wegen eines neuen Spielzeugs fallen lassen?

Ich werde durch die überschwängliche Lobhudelei, die aus meinem Telefonhörer kommt, aus meinen Gedanken gerissen, als mir der Portier mitteilt, was für ein geschätzter Gast Christian Grey für das Heathman ist. Als ich schließlich die Erwähnung des Hotels in meinem Artikel verspreche, bekommen wir die Räumlichkeiten umsonst. Natürlich hätte er sie uns wegen der kontinuierlichen Unterstützung Christian Greys für das Hotel sowieso gegeben und es nicht gewagt, wegen mangelnder Zusammenarbeit mit uns, den Zorn von Christian Grey heraufzubeschwören. Wir haben glaube ich beide ein gutes Geschäft gemacht. Als ich das Telefon weglege, stelle ich fest, dass ich Zeuge des ‘Christian Grey Effekts’ geworden bin. Glücklicherweise bin ich, wegen meines Hintergrunds, immun dagegen. Was mir die Gelegenheit gibt, mich zu fragen, wie ich mit den Folgen von Anas gebrochenem Herzen umgehen soll.

 

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