Kapitel 10: Bis dann, Baby


Bis dann Baby, ich habe meinen Zug pfeifen hören

Bis dann Baby, ich habe meinen Zug pfeifen hören

Du wirst mich nicht vermissen

Bis mein Zug abfährt

– Later for you baby – Guitar Slim –

 

 

Elliots Sicht

Ich weiß nicht, was zum Teufel passiert ist, aber der alte Elliot Grey hat das Gebäude verlassen und dieser neue, verbesserte, total vernarrte Elliot Grey hat seinen Platz eingenommen. Wenn ich beschreiben könnte, was in dieser Suite im Heathman über mich gekommen ist, würde ich meine nächste Million machen. Alles, was ich sagen kann ist, dass ich getroffen wurde. Von einem Wirbelsturm aus Hartnäckigkeit namens Katherine Kavanagh und ich weiß, dass ich nie wieder der alte sein werde.

Wir duschen noch einmal, bevor wir ihre Wohnung verlassen, um noch mehr Kaffee trinken zu gehen. Auf dem Weg dorthin Händchen zu halten scheint das Natürlichste von der Welt zu sein, aber ich werde ein wenig nervös, als ich ihr einen weiteren Espresso bestelle, ohne sie vorher gefragt zu haben. Zu wissen, was sie möchte und ihre Wünsche zu ahnen ist eine Sache – ihre Unabhängigkeit mit Füßen zu treten eine ganz andere und ich frage mich, ob ich, wegen meiner Dreistigkeit meine ‘Familienplanung’ schützen muss. Verdammt, ich habe mir nie vorstellen können einmal in einer solchen Situation zu sein, aber ich kann nicht dafür, ich fühle mich glücklich. Wahnsinnig und unverschämt glücklich. Ich kann nicht glauben, was alles in den letzten 24 Stunden passiert ist. Ich greife erneut nach ihrer Hand, als wir das Café wieder verlassen und zurück zu ihrer Wohnung gehen und ich frage mich, ob wir direkt wieder ins Bett gehen können, sobald wir dort angekommen sind. Wenn ich dauernd nur daran denke sie zu ficken, werde ich gleich nicht mehr gerade gehen können. Ich brauche eine verdammte Ablenkung.

“Erzähl mir von der Zeitung. Hast du den Artikel über meinen Bruder schon fertig?” Ihre Hand verkrampft sich in meiner. Himmel, ich hoffe, sie hat nicht irgendeinen Mist geschrieben, der Probleme verursachen kann. Es steht zu viel für zu viele Leute auf dem Spiel.

“Fragst du, weil du sicher gehen willst, dass ich deinen Bruder nicht diffamiere?” Ihre Stimme ist viel zu ruhig. Die gleiche unheimlich ruhige Stimme hat meine Mutter immer benutzt, wenn sie uns daran erinnern wollte, wie total bescheuert wir waren und wie enttäuscht sie von uns ist.

“Nein, mich interessiert deine Arbeit. Warum bist du so argwöhnisch?”

Als sie mit ihren Fingern durch ihre Locken fährt, schleicht sich ein kleines Lächeln auf ihr Gesicht. Sie hebt meine Hand an ihre Lippen und küsst meine Handfläche. Herrgott, wenn sie so weiter macht, werden wir ficken, jede Menge ficken. In irgendeiner schmalen Gasse, an die Wand gepresst. Und Wund sein. Sehr Wund sein.

“Es tut mir leid.” Ein Flüstern, ein Lächeln und sie ist wieder bei mir. “Ja, der Artikel ist fertig und die Zeitung bereits im Druck. Diese letzte Ausgabe hat mir eine Menge abverlangt und ich bin froh damit durch zu sein, aber es macht mich auch ein bisschen traurig. Hört sich das blöd an?”

“Überhaupt nicht. So fühle ich mich am Ende eines jeden großen Projekts. Du schwitzt und ackerst über das Ganze und ärgerst dich über nicht eingehaltene Fristen. Und wenn du es am Ende übergibst, hast du das Gefühl ein Kind herzugeben.” Sie sieht mich an, als wären mir plötzlich Hörner gewachsen. Scheiß sentimental oder was? “Zumindest für die ersten fünf Minuten.”

Sie lacht. Ein verdammt süßes, sexy Lachen, dass sich meine Eier zusammenziehen lässt. Gott verdammt, diese Frau hat mich in weniger als einer Woche unter ihrem Pantoffel. Wenn ich das nicht schon längst bin.

Ich stelle ihr noch ein paar weitere Fragen über die Zeitung und es interessiert mich, es interessiert mich wirklich, aber nur insoweit, dass es meinen Schwanz von ihrer Nähe ablenkt. Sie redet wie ein Wasserfall, ignoriert alles und jeden um sich herum. Ich versuche mitzukommen, aber sie ist so verdammt klug, dass es mich umhaut. Ich bin so an die geistlosen Hohlköpfe in meinem Leben gewöhnt, dass sie wie ein frischer Wind ist und ich denke, wie sehr sie mich doch an meine Schwester und meine Mutter erinnert. Die gleiche Energie, ihr unglaublicher Verstand, ihre Klasse und ihr Stil, aber auch, dass sie so unglaublich sexy ist, dass ich sie einfach ständig berühren möchte.

Der Versuchung nachgebend streiche ich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht und ihr Lächeln bringt meine Gedanken zurück zu der Gasse. Mein schwerer Fall von dicken Eiern wird erleichter, als wir um die Ecke gehen und uns ihrer Wohnung nähern. Wir sind kaum durch die Tür, als ich sie schon wieder in meinen Armen habe, ihre langen Beine um meine Taille geschlungen und sie direkt ins Schlafzimmer trage.

“Du bist es so verdammt wert gefickt und geliebt zu werden und nicht zwingend in dieser Reihenfolge.” Bei meinen Worten wird sie rot, aber sie ist auch angetörnt, das weiß ich. Sie ist perfekt, eine Prinzessin im Ballsaal und eine Hure im Schlafzimmer, wobei ich ihr das niemals sagen würde. Sie ist einfach so willig und… beweglich… und die Sache mit den multiplen Orgasmen ist wie die Erfüllung eines verdammten Traums. Wenn wir so weitermachen, wird sie wund sein.

 

Einige Zeit später klettern wir aus dem Bett und kehren zum Tisch zurück. Ich mache unseren verwaisten Kaffee in der Mikrowelle warm, was irgendwie scheußlich ist, aber sie lächelt trotzdem.

“Komm her, Baby.” Ich nehme ihre Hand und führe sie zum Sofa und der Kaffee ist vergessen, als wir schon wieder knutschen. Ihre Lippen sind so weich und süß. Ihre Haut glatt wie Seide, besonders diese perfekte Stelle an der Seite ihrer Brüste, die sie zischend Luft holen lässt, wenn ich sie dort berühre. Wir sind komplett ineinander verschlungen, als die Wohnungstür auf geht und Ana hereinkommt und dabei aussieht wie ein verschrecktes Reh im Scheinwerferlicht.

Kate strahlt, als sie Ana sieht, aber ich frage mich, was passiert ist, dass sie so perplex aussieht. Für einen Moment habe ich Schuldgefühle, weil Kate und ich so total verknallt aussehen müssen, aber Kate strahlt sie einfach nur mit diesem fantastischen Lächeln an. Jedoch verschwindet das Lächeln, als sie Christian hinter Ana hereinkommen sieht. Er sieht auch nicht besonders glücklich aus sie zu sehen.

Mein Blick wechselt zwischen Kate und Christian und ich erkenne, dass Kate meinen Bruder wirklich nicht leiden kann. Angesichts der grimmigen Miene, die er macht, wundert es mich nicht. Kannst du ein noch größerer Flachwichser sein? Mann, jeder normale Typ würde wissen, dass der Schlüssel zu deiner Frau darin liegt, die beste Freundin für sich zu gewinnen. Bei meinem Bruder ist einfach nichts normal. Zeit für Elliot Greys ‘Wie gewinne ich eine Frau’-Handbuch für Anfänger. Ich werfe Ana mein strahlenstes Lächeln zu und tue mein Möglichstes, dass sie sich wohl fühlt. Christian sieht mich finster an. Bescheuertes Arschloch.

Kate springt auf und umarmt Ana, was Teils zu einer Untersuchung und Teils zu einer Befragung wird, sie ist wirklich besorgt. Ihre Begrüßung für Christian grenzt an feindselig und obwohl er es verdient haben mag, ist er immer noch mein Bruder und vielleicht braucht auch Kate eine Lektion, wie man die Familie eines Typen für sich gewinnt. Christian präsentiert diesen überheblichen, selbstgerechten Blick, der Normalsterbliche abschreckt. Kate lässt sich von ihm nicht einschüchtern, ist dafür aber sauer auf mich. Scheiße, schon wieder in der Schusslinie, nur weil mein Bruder keine Ahnung hat, wie man mit Frauen umgeht. Geschäfte, kein Problem, tatsächlich gibt es diesbezüglich niemanden, der ihm das Wasser reichen kann. Aber irgendein gesellschaftlicher oder privater Anlass und er benimmt sich wie Rasputin. Nur Mia und unsere Mutter haben ihn jemals zum Relaxen bringen können. Selbst diese Schlampe Elena schafft das nicht.

Christians Antwort für Kate ist reserviert und kalt. Ich möchte ihm am liebsten eine Fackel in den Hintern schieben, um zu sehen, ob ihn das nicht für sie erwärmen kann. Ich starre ihn wütend an. Leg dich ja nicht mit mir an. Er mag zwar mein Bruder sein, aber Kate ist mir wichtig und er wird das akzeptieren müssen.

“Christian, sie heißt Kate.” Ich habe die Zähne aufeinander gebissen und bin bereit Kate zu verteidigen. Christian tut gut daran sich das zu merken. Kate lächelt mich an und mein Herz spricht durch meine Augen, als ich Christian wieder ansehe, sind seine Augen weit aufgerissen. Tja Bruder, gewöhn dich dran. Sie ist eine Frau fürs Leben und dein Mist wird sich nicht zwischen uns drängen. Es dauert einen Moment, aber ich sehe eine subtile, beinahe unmerkliche Veränderung in seiner Haltung.

“Kate.” Er nickt ihr höflich zu und starrt mich dann wütend an. Verpiss dich, Christian. Das ist mir wichtig. Wenn du Anas Herz brichst, werde ich Kate nicht daran hindern, dich an deinen Eiern aufzuhängen. Und denk garnicht erst daran Kate auszutricksen und loszuwerden. Sie wird für eine verdammt lange Zeit Teil deines Lebens sein. Selbst wenn du das mit Ana vermasselst. Seine Haltung ändert sich und er sieht mich jetzt eher fragend an. Er versucht zu begreifen. Unter normalen Umständen würde ich Christian nie provozieren, weil egal ob es geschäftlich oder eher körperlich ist, dieser Mistkerl würde den Boden mit mir putzen. Aber wenn es zu den Frauen in meinem Leben kommt. Zu denen, die mir etwas bedeuten. Dann heißt es ‘na dann komm’. Wenn er sich jemals mit meiner Schwester, meiner Mutter oder meiner Freundin anlegt, werde ich ihn in Stücke reißen. Da kenne ich kein Pardon.

Die Sache mit Ana hat mich überrascht. Ich weiß, dass er keine Freundinnen hat, aber Ana scheint sein Interesse in einer Art und Weise geweckt zu haben, wie noch keine andere Frau zuvor. Ich kann nicht beschreiben, was es ist und ich bezweifle, dass er es selber kann, aber ich sehe, dass er total von ihr eingenommen ist. Aber wenn du nicht diese Feindseligkeit gegenüber Kate ablegst, wirst du das Mädchen verlieren.

Ana sieht total verloren aus. Wenn ich wetten würde, würde ich sagen, dass sie mich und Kate mit ihr und Christian vergleicht und Christian kommt schlecht dabei weg. Vielleicht braucht er einen Schups um zu begreifen, was wichtig ist.

Naja, es könnte sein, dass ich dafür später Prügel beziehe, aber bei Kate werde ich punkten und ihn wird es ärgern, also – wird schon schief gehen. Ich stehe auf, um Ana zu begrüßen und ziehe sie in eine ungestüme Umarmung. Ich sehe, dass Christian sich bereit macht mir eine reinzuhauen. Gut gemacht, Aufgabe erledigt.

“Hallo Ana.” Ich trete zurück und lächele, lasse aber nicht los. Das bringt Christian auf die Palme, also lasse ich meine Hände auf ihrem Körper. Er bekommt diesen Blick, als würde ich mich an seinem Eigentum vergreifen. Ich versuche Ana keine Angst zu machen, aber je länger ich sie berühre, je wütender wird Christian. Kate sieht verwirrt aus, als wolle sie sagen ‘Was ist los mit dir, Christian Grey?’. Ana erwidert die Begrüßung und beißt sich auf die Lippe. Christian, der neben Kate steht, saugt scharf den Atem ein, was mir sagt, wie sauer er ist. Gut.

“Elliot, wir gehen besser.” Seine Stimme ist zwar ruhig, aber er kocht. Hmm… interessant. Scheint, dass es Christian ganz schön erwischt hat. Kate lächelt Ana aufmunternd zu.

“Sicher.” Ich drehe mich zu Kate um und ziehe sie in meine Arme. Himmel, sie fühlt sich so gut an. Sie küsst mich ausgiebig und ich kann Anas und Christians Unbehagen quer durch den Raum spüren, aber ich lasse nicht los, ebenso wenig wie sie. Ich liebe meinen Bruder, sein Glück ist mir wichtig, aber als meine Hände über die Seiten von Kates Gesicht streichen weiß ich, dass ich in meine Zukunft blicke. Ich beuge mich herunter und küsse sie noch einmal, sehne mich danach sie zurück ins Bett zu bringen und gründlich zu ficken. Nein, sie leidenschaftlich zu lieben, stundenlang. Alles an der Art, wie sie meinen Kuss erwidert sagt mir, dass sie genauso empfindet.

Wir beenden den Kuss, sehen einander an und versuchen den jeweils anderen dazu zu bringen loszulassen. Ich kann mir vorstellen, wie unser erstes Telefonat aussehen wird. Ich fühle mich wie ein Teenager und weiß, dass ich sie anrufen werde, sobald ich eine ruhige Minute habe. Und obwohl er mir den Arsch aufreißen wird, oder schlimmer noch, mich mit dieser Nichtachtung strafen wird, muss ich Christian doch danken, dass er uns unbeabsichtigt miteinander bekannt gemacht hat.

“Ciao, ciao, Baby.” Ich bekomme einfach dieses Grinsen nicht aus meinem Gesicht und Kate strahlt regelrecht. Ich zwinkere ihr zu. ‘Unser Geheimnis, Baby’ und ich sehe, wie sie es aufnimmt und versteht. Das ist meine Art ihr zu zeigen, dass ich sie liebe. Sie ist so wunderschön und im Augenblick zumindest, gehört sie mir. Ich hebe meine Hand und streiche ihr eine Haarsträhne hinters Ohr, ich liebe das seidige Gefühl zwischen meinen Fingern. Als ich mich umschaue, sehe ich, dass Christian bei Ana das Gleiche tut. Klaust du ein paar Elliot-Tricks, Bruder? Er benutzt sogar meinen charakteristischen, ureigensten Abschiedsgruß. Natürlich weiß er nicht, was er wirklich bedeutet.

Ich kann nicht widerstehen und werfe Kate einen Kuss zu, als ich zur Tür gehe. Kindisch, ich weiß, aber was Kate angeht meine ich es auch so und Christian zu verärgern ist gerade zu meinem Lieblingssport geworden. Kate kichert ein wenig verlegen, aber sie wird’s überleben. Ana wirkt niedergeschlagen, als wäre ihr liebstes Haustier gestorben. Christian sieht aus als wolle er sich übergeben, was nicht seine übliche Reaktion ist. Er weiß einfach nicht, wie er mit Ana eine Beziehung aufbauen soll. Aber er will es. Interessant, lieber Bruder. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, du hast dich verliebt.

A penny for your thoughts, $5 if they're dirty...

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s