Kapitel 1: Schall und Rauch


Du bist ein Betrüger und Du weißt es

Aber es fühlt sich zu gut an, um es aufzugeben

Jeder würde das Gleiche tun

Du hast sie in Fahrt gebracht

Und bemühst Dich es nicht zu zeigen

Manchmal betrügst Du selbst Dich ein wenig

Es ist wie Zauberei

Aber es ist immer ein Spiel um Schall und Rauch

Jeder würde das Gleiche tun

Gotye – Smoke and Mirrors

In meiner Welt lernst du nicht leichtfertig zu vertrauen. Alles nur Schall und Rauch – alles nur Illusionen – Dunkelheit, Betrug, Irreführung – in denen du leicht dein wahres Selbst verlieren kannst. Wenn du die richtigen Leute kennst, an den richtigen Orten gesehen wirst, deine Fahne in den Wind hältst, dann können die Grenzen zwischen Richtig und Falsch schnell verschwimmen. Wie auch immer, wenn du dir des Spiels bewusst bist, kannst du den Betrug anderer leicht erkennen. Die verlogenen Platituden, die falschen Lächeln, die unaufrichtigen Schmeicheleien. Es ist eine Binsenweisheit – je schöner die Leute, je hässlicher ihre Lügen. Aussehen – verstehst du? Ein Augenblick des Zögerns, gefolgt von einem zweifelhaften Kompliment gespickt mit Neid und einem Hauch von Gier, der direkt unter der Oberfläche lauert.

In dieser Welt bin ich aufgewachsen. Ich bin auf die richtigen Schulen gegangen, wohnte in der richtigen Nachbarschaft, kannte die richtigen Leute. Alles drehte sich um Beziehungen. Nach wessen Auffassung von “richtig”? Tja – deren? Deine? Unsere? Wer weiß?

Ich gehöre zu einer Medien-Familie. Mein Vater und mein Großvater haben ein weltweites Medienimperium aufgebaut, verbrachten all ihre Zeit in den Nachrichtenredaktionen, bis sie schließlich den Thron bestiegen, um über ihre Machtbereiche zu herrschen. Ich wusste schon immer, dass auch ich das einmal machen will. Teils, weil ich eine Nase für eine gute Story habe und teils, weil ich der Welt einen Spiegel vorhalten möchte. Ich kenne ihre Geheimnisse, ich rieche ihren Dreck, ich weiß, wo ich graben muss.

Ich wirke auf die Außenwelt wie eine weitere dieser ‘Reichen und Schönen’. Über Verbindungen verfügend, gebildet, wortgewandt. Mein Aussehen öffnet Türen, besonders, wenn ich den Namen meines Vaters erwähne. Und ich habe keine Angst davor von beidem Gebrauch zu machen.

Weshalb ich, wenn sich ein Mysterium wie Christian Grey in dieser Welt bewegt, das Bedürfnis habe seine Geheimnisse zu lüften. Wir sind uns ähnlich, er und ich. Zu attraktiv für den Rest der Welt um ignoriert zu werden. Uns zu bewusst, wie sie diese Schönheit wahrnimmt, um anderen zu trauen. Distanziert und geheimnisvoll. Er kommt aus einer Familie der Schickeria, seine Mutter Ärztin, sein Vater Anwalt, sein Bruder und seine Schwester talentiert, erfolgreich und gutaussehend wie er. Sie wandern durch unsere Welt aus Licht und Schatten unter dem Deckmantel der Wohltätigkeit, aber ich weiß, dass sich dahinter Geheimnisse und Lügen verbergen. Immer.

Ich stehe zwischen zwei Welten. In die eine bin ich geboren worden, in der anderen lebe und atme ich. Diese zweite Welt ist eine einfachere, wo Mitgefühl und harte Arbeit zählen. Wo man sich auf gute Freunde verlassen kann. Wo es schwerer ist Geheimnisse zu haben. Meine gute Freundin, beste Freundin Ana lebt in dieser anderen Welt. Eine frische Brise in meinem Leben, sie lügt nicht, sie heuchelt nicht, sie wartet nicht neidisch auf meinen Fall. Es gibt keine Konkurrenz, weil sie ohne Falsch ist. Sie merkt einfach nicht, dass sie in der anderen Welt gebieten könnte. Für sie ist es die Welt, zu der ich gehöre, getrennt von ihrer und sie scheint es so zu mögen. Freunde wie Ana sind schwer zu finden. Ich schätze diese Freundschaft, wie ich eine Schwester schätzen würde.

So habe ich ein Gefühl düsterer Vorahnung, als ich sie, in meinem Namen, stolpernd in seine Welt schicke. Ich hatte keine Wahl. Es war das Interview meines Lebens und ich war zu krank um aufzustehen. Ana war mein Notfallplan. Ich habe ihr absichtlich nichts über ihn erzählt, dachte, je weniger sie weiß, umso sicherer würde sie sein. Rein und raus, die Story bekommen und nie mehr zurückkehren. Wie sehr ich mich doch getäuscht habe…

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